KREISHANDWERKERSCHAFT UCKERMARK
Prenzlau, 13. Oktober 2004

Kirche Küstrinchen
Weiterführung der Maßnahmen unter Beteiligung des ÜAZ Wriezen

Sehr geehrte Damen und Herren,

Bezug nehmend auf Ihr Schreiben vom 28.09.2004 und unser Telefonat, möchte ich Ihnen den Standpunkt der Kreishandwerkerschaft Uckermark zu Ihrem Anliegen noch einmal schriftlich verdeutlichen.

Zunächst darf ich allen Beteiligten meine Anerkennung aussprechen, die mit einem enormen ehrenamtlichen Engagement dazu beigetragen haben, dass die Einsturzgefahr der Kirche Küstrinchen nicht mehr akut gegeben ist und damit ein wichtiges Kulturerbe dieser Region erhalten bleibt.

Wir achten dieses Engagement sehr und wissen um die Sorgen und Probleme vieler Vereine, die unter desolatem Geldmangel, oft auch ohne die notwendige Unterstützung von Bund, Land und Kommunen, nach jedem sich bietenden Strohhalm greifen, um der Verwirklichung ihrer Ziele näher zu kommen.

Wir wissen tatsächlich um die vielen Probleme, da sich eine unzählige Liste derer aufstellen lassen würde, die in gleichen oder ähnlichen Situationen bei uns vorsprachen und aus Geldmangel bzw. bereits erwähnter mangelnder Unterstützung mit Hilfe von Bildungseinrichtungen und Lehrlingen versuchen wollten, diese Probleme zu umgehen bzw. sie zu beseitigen.

Nur kann das Handwerk nicht für diese Situation verantwortlich gemacht werden, in dem man uns die "Pistole auf die Brust setzt", dass, wenn wir unsere Zustimmung verweigern, ganze Projekte scheitern, Kirchen einstürzen, Friedhofsmauern und andere Objekte verfallen, Kindergärten, Schulen und Kirchen keinen neuen Anstrich erhalten usw. .

Genau wegen diesem Geldmangel, wegen einer seit Jahren andauernden falschen Wirtschaftspolitik fehlen dem Handwerk die notwendigen Aufträge, um Arbeitsplätze zu erhalten, um neue zu schaffen oder um unserer jungen Generation mit einem Ausbildungsplatz eine gesicherte Zukunft zu ebnen.

Täglich fallen Hunderte Arbeitsplätze im Handwerk weg, erhöht sich die Zahl derer, die sich ins Heer der Arbeitslosen einreihen müssen und andererseits werden Milliarden von Steuergeldern verschwendet, die genau diese Arbeitsplätze erhalten und Aufträge für die Wirtschaft sichern würden, auch für Kirchen, Denkmäler und viele andere Objekte.

Es geht auch gar nicht darum dass Lehrlinge aus Bildungseinrichtungen nicht sinnvolle und gesellschaftlich wertvolle Arbeit leisten sollen, sondern darum, dass wir damit keine Probleme lösen, sondern diese weiter verschärfen, auch wenn dem einzelnen vielleicht bei seiner Projektverwirklichung geholfen wird.

Wo setzen wir das Maß der Dinge an? Bei wem oder wann stimmen wir solchen Anliegen zu und wann lehnen wir ab?

Es kann auch kein Argument sein, dass bei einer Verweigerungshaltung des Handwerks diese Objekte und Maßnahmen ein für alle Mal gestorben sind und nicht mehr realisiert werden können. Auch hier gäbe es genügend Beispiele, die das Gegenteil beweisen würden, auch wenn diese Maßnahmen dann auf einen längeren Zeitrahmen gestrickt werden mussten, fand man dennoch andere Lösungen.

Deshalb haben wir von Anfang an solche Vorhaben abgelehnt und stehen auch heute noch dazu. Schon bei einer gegebenen Zustimmung, auch wenn diese als Ausnahmeregelung deklariert wäre, könnten wir uns vor einer weiteren Antragsfülle kaum mehr retten und jeder dieser Antragsteller würde Hunderte Begründungen finden, warum seine Maßnahme von besonderer Bedeutung wäre und zu Recht jeder auf einer weiteren Ausnahme bestehen.

Wo fangen wir also an und wo hören wir auf?

Bei allem Verständnis für die Situation des Vereins, für die Notwendigkeit, die Kirche nicht nur vor der akuten Einsturzgefahr gerettet zu haben, sondern sie auch für die nächsten Jahre zu erhalten, kann unsere Entscheidung nicht anders lauten, als diesen Antrag abzulehnen.

Das sind wir nicht nur unseren Unternehmen gegenüber schuldig, sondern auch den vielen Antragstellern zuvor und denen die noch kommen werden.

Auch wenn das für Sie keine zufriedenstellende Entscheidung ist so wünschen wir Ihnen, dem Förderverein und allen anderen Beteiligten für die Verwirklichung Ihres Vorhabens trotzdem weiterhin viel Erfolg.

Mit freundlichen Grüßen
R. Fink
Geschäftsführer