Die Dorfkirche von Kunow (Uckermark)

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"Kein Jahr ohn Gefahr." Dieser Spruch ist auf einem der insgesamt 61 Bilder zu lesen, die das Gestühl der Dorfkirche Kunow schmücken. Angesichts der immer unübersichtlicher werdenden Welt rings um uns her könnten diese Worte, gemeinsam mit dem zugehörigen Bild, auch als Neujahrsgrußkarte verschickt werden. Das zugehörige Zitat aus Psalm 12 ("Klage über die Macht der Bösen") jedoch relativiert den fatalistischen Grundton; in Vers 7 heißt es: "Die Rede des HERRN ist lauter wie durchläutert Silber im irdenen Tiegel, bewähret siebenmal." In diesem Sinne bemühen wir uns, optimistisch in das neue Jahr 2018 zu blicken.

Urkundlich erstmalig erwähnt wird der nahe der Stadt Schwedt gelegene Ort Kunow im Jahr 1281, als der pommersche Herzog Bogislaw IV. dem Gartzer Nonnenkloster das Patronat an der Kirche bestätigte. Diese Kirche, entstanden wohl in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, ist ein typischer uckermärkischer Feldsteinbau mit eingezogenem rechteckigen Chor und einem schiffbreiten Westturm. Der Turmaufsatzz in Fachwerktechnik mit verbrettertem Aufsatz und einem charakteristischen Spitzhelm entstand bei einem Umbau 1737/38. Am Mauerwerk, speziell an der Südseite des Chores, blieben die mittelalterliche Fugengestaltung sowie Fragmente von Putzfriesen im Traufbereich erhalten.

Der Besucher betritt das Kirchengebäude über das bauzeitliche, zweifach gestufte Westportal. Ein ursprünglicher Spitzbogen zwischen Turmuntergeschoss und Kirchenschiff wurde später vermauert; erhalten blieb jedoch der ebenfalls spitzbogige Triumphbogen, der Schiff und Chor voneinander trennt. An der Nordwand des Chores sind Reste mittelalterlicher Wandmalerei erhalten. Ansonsten bestimmt den Raumeindruck unter einer flachen Holzdecke eine bemerkenswerte barocke Ausstattung aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Der Altaraufsatz mit reichem Schnitzwerk und Malereien wurde 1719 vom Tischlermeister Christian Wiese gefertigt; das Kreuzigungsbild im Mittelfeld schuf der vermutlich in Stettin wirkende Maler G. Steyn, wie eine Signatur des Gemäldes verrät. Auf Bildnismedaillons an den Altarwangen ist das Ehepaar von Wolde als Patronatsfamilie und Stifter verewigt; ihr Wappen findet sich im Giebelaufsatz des Retabels. Den qualitätsvollen Taufengel schuf der ebenfalls in Stettin beheimatete Bildschnitzer Erhardt Löffler. Im Zuge der Spendenaktion "Menschen helfen Engeln" konnte er vor kurzem gesichert und restauriert werden. Bei dieser Gelegenheit erhielt er auch seine originale Farbigkeit zurück, die im 19. Jahrhundert durch einen weißen Anstrich überdeckt wurde.

Der eigentliche "Schatz von Kunow" (so eine Überschrift aus der Märkischen Oderzeitung) ist jedoch der eingangs erwähnte, etwa um 1725/30 entstandene, originelle Gemäldezyklus, der das barocke Kastengestühl der Kunower Dorfkirche schmückt. Als Vorlage für die Abbildungen dienten Sinnbilder, die der Stettiner Theologe Daniel Kramer unter dem Titel "Emblemata sacra" publiziert hatte. Das Leitmotiv des auf den ersten Blick für den heutigen Betrachter ein wenig befremdlich wirkenden Bildprogramms bildet das Herz als Symbol des gläubigen Individuums. Bei genauerem Hinsehen zeugen die Bildfelder von einem äußerst subtilen Humor, einer spielerischen Heiterkeit, aber auch von einem melancholischen Wissen um die Vergeblichkeit menschlichen Strebens.

Nachdem in den vergangenen Jahren das Kirchengebäude selbst grundlegend saniert werden konnte, ist es an der Zeit, auch die Bewahrung dieses in Brandenburg einmaligen barocken Bilderzyklus ins Auge zu fassen. Vor wenigen Wochen, zum Beginn der Adventszeit, startete der Förderkreis Alte Kirchen seine alljährliche Spendenaktion "Vergessene Kunstwerke" für die Erhaltung des Kunower Bilderschatzes. Das Ergebnis bis jetzt ist überwältigend, wofür wir herzlich Danke sagen! Vermutlich kann bereits im Frühjahr mit den Restaurierungsarbeiten begonnen werden. Für weitere Spenden sind wir - vor allem aber auch die örtliche Kirchengemeinde und der rührige Kunower Dorfverein - dankbar!


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