Die Dorfkirche von Neuholland (Oberhavel)

Fotos: Norbert Trebeß (2009)Großbildansicht
 
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Es ist gar nicht so einfach, die Kirche von Neuholland zu finden. Sie versteckt sich zwischen Bäumen, und zwar nicht etwa in der Mitte des Dorfes, wie man es hierzulande gewohnt ist, sondern außerhalb des Ortes an der Straße nach Liebenwalde. Diese Randlage des Gotteshauses hat historische Gründe: Neuholland wurde Mitte des 17. Jahrhunderts von Kolonisten vom Niederrhein und aus Brabant besiedelt, die im feuchten Havelbruch auf kleinen Erhebungen ihre Häuser bauten. Es gab also keinen Dorfkern, sondern die Kirche lag gewissermaßen im Schnittpunkt der weit verstreuten Höfe. Sie wurde im April 1710 eingeweiht - sogar in Anwesenheit des Königs Friedrich I. Er hatte ein paar Jahre zuvor sein Kaufrecht genutzt, um die in der Milchwirtschaft erfolgreiche Kolonie im Bruch seinem Amt Oranienburg anzugliedern. Voller Stolz stiftete er der reformierten Kirche ein silbernes Abendmahlsgerät, bestehend aus Kelch, Brotteller und Schraubflasche.

Den Baumeister der Kirche kennt man nicht, sie entstand offenbar nach holländischem Muster als verputzter Zentralbau über quadratischem Grundriss. Auf dem geknickten Pyramidendach erhob sich ein achteckiger Turm.

In den letzten Apriltagen des Jahre 1945 wurde die Kirche zerstört, vermutlich durch sowjetischen Beschuss. Es blieben nur die Grundmauern stehen. 1949, als man den Schutt aus der Kirche geräumt und unter freiem Himmel wieder einen ersten Gottesdient gefeiert hatte, gab es Pläne für einen Wiederaufbau. Doch dieser zog sich mühsam hin, erst 1955 wurde das Dach geschlossen. Doch bis der Rohbau endlich vollendet war, vergingen weitere zwölf Jahre. Es erscheine fast wie ein Wunder, dass der Wiederaufbau nach einem Vierteljahrhundert dennoch gelungen sei. So schreibt Hermann Aurich in einem Buch über Neuholland, das der Bürgermeister von Liebenwalde, Jörn Lehmann, herausgab (Edition Rieger 2010).

Ein kleines Wunder ist auch, dass hier seit fast zehn Jahren wieder Orgelmusik ertönt. Das verdankt die Gemeinde vor allem der ehrenamtlichen Organistin Christel Gottemeier. Sie sorgte dafür, dass eine Orgel in Mieste (Sachsen-Anhalt) erworben und 2008 in der Kirche aufgestellt wurde. Damals gelang es ohne größere Schwierigkeiten, die 4000 Euro zu beschaffen, die für Ankauf und Aufstellung erforderlich waren. Die Namen der Spender sind auf einer Tafel in der Kirche vermerkt. Im September 2018 soll es ein Jubiläumskonzert zum zehnjährigen Orgel-Jubiläum geben.

Vor einem Jahr wurde in Neuholland ein Förderverein gegründet, der es sich zum Ziel setzte, wieder einen filigranen Turm auf das Kirchendach zu setzen, wie es bis zum Kriegsende 1945 war. Doch dieser Wunsch wird wohl nur auf lange Frist zu verwirklichen sein. Zunächst muss der Holzbock in der Decke bekämpft werden. Um diese Kosten aufzubringen und weitere Finanzmittel zu beschaffen, sind Vorträge und Musik-Veranstaltungen geplant, wofür sich auch das Pfarrhaus nebenan eignet. Die Gemeinderäume wurden saniert und ein Teil des Hauses wurde vermietet, doch dabei hat sich die Kirchengemeinde finanziell etwas verhoben, so dass man nun Schulden hat.

Die Kirchengemeinde, die nun zum Pfarrsprengel Liebenwalde gehört (früher Falkenthal), hat 70 Mitglieder, von denen knapp die Hälfte mehr oder minder aktiv sind. Auch der Künstler Lothar Köhn gehört zur Gemeinde, der für die Kirche einen eindrucksvollen Altar aus Holz gestaltete und auch ein Wandrelief mit einem Friedensgebet.

Vorsitzende des Fördervereins "Kirche zu Neuholland" ist Katrin Lutze, Nassenheider Chaussee 34, 16559 Liebenwalde OT Neuholland, Tel 0176 577 365 75


Zum Weiterlesen:
Märkische Allgemeine vom 27. Dezember 2017: Ein seltenes Exemplar von Kirche


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