Der Förderverein Dorfkirche Woltersdorf e.V. gehörte 2004 zu den Preisträgern. Mit ihrem Engagement verstanden es die Mitglieder, diese Anschubfinanzierung durch Eigenleistungen, viele Aktivitäten, durch Einwerbung weiterer Fördermittel und Spenden zu vervielfachen. Vorsitzender Helmut Scheer schrieb uns:

Mit dieser "Rückenstärkung" konnten wir Kraft zum Neuanfang schöpfen

 Dorfkirche Woltersdorf

Das Startkapital hatte für unseren Verein genau die Wirkung, die der Geber damit beabsichtigt hat. Mit dieser materiellen wie ideellen "Rückenstärkung" durften wir plötzlich hoffen, unser Vorhaben wahrmachen zu können.

Die Woltersdorfer Kirche mit aktiver Gemeinde liegt mitten im Ort, umgeben vom eingefriedeten Kirchhof, weshalb ihr die Untere Denkmalschutzbehörde eine städtebauliche Bedeutung beimisst. Sie ist ein Werk des Brandenburger Stadtbaurates Thümen, wurde 1826/27 in schlichter, dem Klassizismus verpflichteter Formensprache als putzsichtiger Bau errichtet. 1886 war erstmals eine Sanierung des Kirchturms erforderlich. Die obere achteckige Etage mit dem Ziegeldach wurde abgetragen. Der Turm erhielt einen dem Grundriss der unteren Etage angepassten Aufsatz mit schiefergedeckter Spitze und Turmuhr.

In den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges wurde der Turm als Beobachtungsposten des deutschen Militärs Ziel der sowjetischen Artillerie. Die Schäden konnten nach dem Krieg nicht behoben werden. Später deckten Stürme Teile des Dachs ab, die bleiverglasten Fenster wurden mutwillig zerschlagen, Orgelpfeifen und Kronleuchter gestohlen. 1963 musste die Kirche gesperrt werden, sie schien dem Verfall preisgegeben. Auch kirchliche Verwaltungsstellen hatten die Dorfkirche aufgegeben, man schlug den Abriss vor. Doch das wollten die Woltersdorfer Kirchenältesten nicht zulassen.

In Feierabendarbeit begannen die Gemeindeglieder mit der Sanierung. 1977 konnten die Außenarbeiten abgeschlossen werden. Es folgte der Innenausbau mit Einsetzen einer neuen Decke, der Turm erhielt wieder seine kupfergedeckte Spitze, Fenster wurden restauriert. Kurz nach der Wende konnte das Kirchendach umgedeckt werden – allerdings mit Betondachsteinen, die Turmuhr wurde restauriert, die Friedhofsbegrenzung erneuert. Wenn auch keinesfalls denkmalgerecht, so war die Kirche doch gerettet.

Weshalb also nun wenige Jahre später wieder große Bauvorhaben?

Im November 2000 hatte die Untere Denkmalschutzbehörde die Woltersdorfer Kirche auf Antrag des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege in das Verzeichnis der Denkmale des Landkreises Potsdam-Mittelmark eingetragen. Die mit der Unterschutzstellung verbundene Verpflichtung, die originale Substanz auf Dauer zu erhalten, veranlasste Pfarrerin Christiane Beutel, sofort alle Schäden und Denkmal-Unverträglichkeiten durch ein Architekturbüro feststellen zu lassen. Seitdem bemüht sie sich gemeinsam mit dem Gemeindekirchenrat um die denkmalgerechte Wiederherstellung der Kirche. Unterstützt wird sie dabei vom örtlichen Förderverein, dem nicht nur Mitglieder der Kirchengemeinde angehören, sondern auch alle anderen Woltersdorfer, die sich dem Erhalt der Kirche im Dorf verpflichtet fühlen.

Auch mit Hilfe des Starkapitals ist es uns nun im Jahr 2005 gelungen, den ersten Bauabschnitt zur denkmalgerechten Wiederherstellung erfolgreich abzuschließen. Mit einem Investitionsvolumen von 56.000 Euro wurden die Dach– und Deckenkonstruktion von Kirchenschiff und Turm saniert, Schallluken und Turmfester erneuert bzw. repariert. Gleichzeitig konnten für zusätzliche 5.000 Euro erste Sanierungsarbeiten an der Orgel ausgeführt werden.

In diesem Jahr ging es nun an den zweiten Bauabschnitt: die Restaurierung der baulichen Hülle: Die Betondachsteine verschwanden und das Kirchenschiff-Dach ist wieder mit Biberschwanzziegeln gedeckt. Zudem wurde das Gebäude neu verputzt und Abdichtungsmaßnahmen vorgenommen.

Noch gibt es etliches zu tun, aber wir sind auf einem guten Weg. Und das auch dank Ihrer Hilfe. 2007 wollen wir einen dritten Bauabschnitt realisieren, bei dem die Innensanierung mit neuer Decke, Fußbodenbelegung und Maler-arbeiten im Vordergrund stehen soll. Leider fehlt uns noch das nötige Geld, aber wir haben gelernt zu kämpfen.

Wir wünschen dem Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg die Möglichkeit, noch vielen neu gegründeten Vereinen in dieser Art helfen zu können, weil sich diese Hilfe mit dem Elan der Vereinsmitglieder zu einer großen Kraft potenziert.

  zurück