Alte Kirchen fordern viele heraus

Generalsuperintendent Schulz: Eine große Koalition, die halten wird, was sie verspricht

Von unserem Redaktionsmitglied Jürgen Kontze

Templin. Viele hunderte Engagierte vertraten sie, die am Sonnabend in Templin zur 4. Fachtagung "Die Kirche im Dorf lassen" des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. (FAK) zusammengekommen waren (TZ berichtete). Unter ihnen Vertreter zahlreicher uckermärkischer Initiativen und Freundeskreise, Dorf-, Förder-, Kultur- und Heimatvereine.

Das Miteinander von Kirchgemeinden, Kommunen und rührigen Vereinen zur Erhaltung ihrer Dorfkirche würdigte Hans-Ulrich Schulz, Generalsuperintendent der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg, als "eine große Koalition, die halten wird, was sie verspricht". Dieses Hand-in-Hand sei "hundertprozentig zu bejahen", wenngleich es auch Kompromisse erfordere. Die "weite Öffnung für nichtkirchliche Nutzung" müsse man "als angewandte Theologie begreifen."

Schulz hatte seine Gedanken zur "Nutzungserweiterung sakraler Gebäude" als Voraussetzung für Sanierungs-Förderung dargelegt und Kommunen und Vereinen gut ein Dutzend konkreter Vorschläge unterbreitet. "Wie er die Chancen sehe," den hundertprozentigen Konsens auch auf Kreisebene hinzubekommen", fragte ihn Jürgen von Chamier, Freundeskreis Gollmitzer Wehrkirche. Er wolle, so Schulz, "deutlich ermutigen, diese entstehende Partnerschaft als Glücksfall zu betrachten, dass das Interesse an den Kirchen übergreifend ist". Und man möge, fügte er mit Verweis auf eine 1998 von der Landessynode gegebene Orientierungshilfe zur Nutzung sakraler Gebäude und in der Diskussion angesprochene konventionelle Denkweise in einzelnen Pfarrhäusern an, "der Kirche auch eine gewisse Lernfähigkeit zugestehen". "Ihr Wort in der Pastoren Ohr", entgegnete ihm Hans-Christian Johannsen, Förderverein zur Rettung der Dorfkirche zu Jakobshagen, und schlug dem Generalsuperintendenten vor. "diese Rede als Hirtenbrief an die Pastoren" zu senden. Johannsen hatte über die begonnene Sicherung des Kirchturmes und über Förderhürden in der Nutzung der Kirche als Gemeinderaum berichtet.

Gute Erfahrungen mit dem Einsatz von Vergabe-ABM legte Michael Kohtz, Förderverein St. Marien auf dem Berge zu Boitzenburg, dar – und lud für den 3. Dezember zum Erfahrungsaustausch nach Boitzenburg ein.

Fiskus holt Geld zurück

Das bürgerliche Engagement in den Kommunen und Kirchengemeinden zur Erhaltung denkmalgeschützter Kirchen und anderer Gebäude, das konnte auf dieser Fachtagung von Kommunalpolitikern und kirchlichen Würdenträgern übereinstimmend festgestellt werden, habe erfreulich zugenommen. Diese zumeist ehrenamtliche Arbeit stelle, so FAK-Geschäftsführer Bernd Janowski, gleichsam "einen wichtigen Faktor in den Bereichen Kultur, Tourismus und ländliche Entwicklung dar". In Zeiten knapper werdender Finanzen gebe es dabei jedoch, so Janowski, "zunehmend Probleme bei der Beschaffung der notwendigen finanziellen Mittel". Dies war ein weiterer, ausgiebig erörterter Tagungsschwerpunkt. Rede und Antwort standen u.a. Gerlinde Peper vom Prenzlauer Amt für Flurneuordnung und ländliche Entwicklung und Heike Hofmann von der Landesagentur für Struktur und Arbeit.

Und im Gespräch war auch ein Petitionspapier, mit dem man beim Bundesministerium der Finanzen erreichen will, dass die Mehrwertsteuer für Reparaturen an Baudenkmalen wie an privilegierten Gütern von bislang 16 auf 7 Prozent abgesenkt wird. Es gehe nicht an, hieß es u.a., dass sich der Fiskus einen Großteil der staatlichen Förderung wieder zurückhole.


 
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