Impressionen vom Tag des Offenen Denkmals

Es ist jedes Jahr das selbe: Im Vorfeld des Tages des Offenen Denkmals liest man über die umfangreichen Möglichkeiten für Besichtigungen, Führungen und Turmbesteigungen in Berlin und Brandenburg. Vieles ist dabei, was man eigentlich schon lange sehen wollte. Aber dann fällt einem ein, dass man selber irgendwo im Einsatz ist. So klagen viele, die – beruflich oder ehrenamtlich – mit der Pflege und dem Schutz von Denkmalen zu tun haben. Auch der Förderkreis Alte Kirchen war an diesem Wochenende wieder "im Einsatz".

Am Samstag, dem 8. September fuhren wir bei eher durchwachsenem Wetter in die Uckermark, um mit einem Informationsstand auf die baufällige Kirche in Küstrinchen aufmerksam zu machen. Es hatte durchaus etwas Romantisches, als wir bei leichtem Nieselregen eine Plastikplane mit der Aufschrift "Förderkreis Alte Kirchen" an den windschiefen Friedhofszaun pinnten und zwei Plastikstühle sowie einige Kartons mit Faltblättern und Heften aus dem Auto luden. Wir waren gespannt, was uns in dem 49-Seelen-Dorf erwarten wird und wurden von der Resonanz positiv überrascht. Nach und nach kamen immer mehr Einwohner des malerisch im Wald versteckten Ortes und fast alle waren der Meinung, dass es höchste Zeit wäre, etwas zur Rettung der Dorfkirche zu unternehmen. Es gab gute Gespräche und für Ende September wurde ein Treffen mit Kirchengemeinde, Kommune, Denkmalpflege, Tourismusverband und natürlich Einwohnern von Küstrinchen vereinbart. Hoffnung für das marode Kirchengebäude...?

Am Sonntag, dem 9. September, gab es erst einmal das positive Kontrastprogramm zum Vortag. Um 11.00 Uhr feierte die Brandenburger Domgemeinde mit Gästen aus den Niederlanden einen Gottesdienst in der Dorfkirche von Saaringen. Vor vier Jahren noch bot sich hier ein Bild, das dem gestrigen sehr ähnlich war. Die Kirche war akut einsturzgefährdet und die überforderte Kirchengemeinde wünschte den Abriß. Nun ist sie – bereits zum 2. Mal – in das sanierte Gotteshaus zurückgekehrt. Der örtliche Förderverein, der Eigentümer des Kirchengebäudes ist, lud im Anschluß zu einem Konzert, das der Förderkreis Alte Kirchen vermittelt und organisiert hatte. Einige Gottesdienstbesucher blieben, neue Besucher kamen hinzu, um den Klängen von Akkordeon und Flöte zu lauschen. Zwei Musiker aus Berlin spielten Musik aus Frankreich und Schweden sowie eigene Kompositionen in einer restlos gefüllten Kirche.

Von Saaringen ging es direkt weiter nach Rogäsen, einem Dorf zwischen Brandenburg und Ziesar kurz vor der Landesgrenze nach Sachsen-Anhalt. Die Musiker hatten hier ihren zweiten Auftritt, der diesmal unter freiem Himmel stattfand. Das Dach der Rogäsener Kirche war 1978 abgerissen worden; heute sind viele der Meinung, dass eine derart radikale Lösung damals unnötig gewesen ist. Die mächtigen Feldsteinmauern des Kirchenschiffs boten eine imponierende Kulisse für das Konzert, das wegen einsetzendem Regen etwas kürzer als geplant ausfiel. Aber: das Dorf hat den öffentlichen Raum ihrer Dorfkirche mit einer ersten Veranstaltung wieder angenommen. Die Architektin Frau Fleege aus Brandenburg/Havel stellte ein Konzept zur Sicherung des Kirchturms vor und hatte bereits Projektzeichnungen für eine neue Bedachung mitgebracht. Kommune und Kirchengemeinde sind sich einig, dass in einigen Jahren wieder eine intakte Kirche im Dorf sein wird.

Drei kurze Streiflichter vom Tag des Offenen Denkmals. – Es gab sicher spektakulärere Angebote im reichhaltigen Veranstaltungsprogramm dieser beiden Tage. Überall spürte man jedoch, dass bürgerschaftliches Engagement im Wachsen ist, um die Kirche im Dorf zu lassen.

Weitere Informationen:
Küstrinchen war unsere Dorfkirche des Monats August. In unserem Schwerpunkt Uckermark sind Bilder und Informationen über die Kirche zu finden.
Der Förderkreis Alte Kirchen berichtete in seinem Mitteilungsblatt vom Dezember 2000, wie die Saaringer den Abschluss des ersten Bauabschnitts feierten.


 
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