Ein Bericht über die Dorfkirche von Steinitz

Dorfkirche Steinitz

Eigentlich sollte das im Landkreis Spree-Neiße gelegene Dorf Steinitz längst verschwunden sein und mit ihm die auf einer kleinen Anhöhe gelegene markante Dorfkirche. Aus Richtung Südosten fraß sich lange Zeit der Braunkohlentagebau Welzow-Süd auf die Ortschaft zu. 1992 verschlang er Wolkenberg und noch 1996/97 wurde das benachbarte Kausche zerstört. Doch dann stoppten die Großraumbagger - drei Kilometer vor dem Ortseingangsschild. Der zu DDR-Zeiten extensiv betriebene Abbau der Braunkohle wurde stark eingeschränkt und das Dorf Steinitz erhielt eine neue Chance.

Die Steinitzer Dorfkirche stammt in ihren ältesten Teilen vermutlich aus dem Ende des 15. Jahrhunderts. Das über dem Erdboden zwei Meter mächtige Mauerwerk ist aus unbehauenen Feldsteinen gefügt; Tür- und Fenstergewände sowie die Ecken wurden mit Backsteinen eingefasst. Der massive quadratische Westturm mit einem hohen Walmdach entstand vermutlich einige Zeit später, ebenso der Anbau auf der Nordseite. Aus der Bauzeit stammen die rundbogigen abgestuften Portale, während die Fenster im Barock verändert wurden.

Im Inneren der Kirche dominiert eine zweigeschossige Empore, die sich bis in den Altarraum erstreckt und dort auf beiden Seiten in verglasten Patronatslogen mit aufgemalten Familienwappen ausläuft.

Steinitz war eines jener Dörfer, bei denen ein Teil zum böhmischen, später sächsischen Markgraftum Niederlausitz gehörte und ein weiterer zum alten brandenburgischen Kreis Cottbus. Erst 1816 kam der gesamte Ort zum preußischen Kreis Calau. Noch verworrener stellten sich die Besitzverhältnisse an Dorf und Gut dar, die unter verschiedene Grundherren aufgesplittert waren. Von den diversen Patronatsfamilien erzählen neben den Wappen an den Emporen nur zwei verwitterte Grabsteine für Henriette Wilhelmine von Loeben und Alfred Ehrenreich von Muschwitz auf dem ehemaligen Kirchhof.

Dorfkirche Steinitz

Die letzte Amtshandlung fand 1984 statt, dann wurde die Kirche aufgegeben. Sie stand leer und verfiel. Seit einigen Monaten bemüht sich ein Förderverein, die Steinitzer Kirche vor dem endgültigen Verfall zu retten und ihre Mauern mit neuem Leben zu füllen. Im Turmbereich sind zahlreiche lose Steine zu befestigen, das in den Achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts mit einfachen Betonsteinen gedeckte Kirchendach bedarf dringend einer Reparatur. Zuvor müssen jedoch im Innenraum entdeckte spätmittelalterliche Wandmalereien gesichert werden.

Es wird noch ein langer Weg sein, bis wieder Gottesdienste gefeiert und die geplanten Konzerte und Ausstellungen besucht werden können. Doch ein Anfang ist gemacht. Nachdem viele Einwohner den Ort verlassen hatten, als hier noch "Braunkohleerwartungsland" war, wollen die heute wieder etwa 150 Steinitzer wieder ein ganz normales Dorf werden. Und dazu gehört eben, als Mittelpunkt, auch die restaurierte Dorfkirche.

Informationen erhalten Sie über die Evangelische Kirchengemeinde Drebkau; Pfarrer Wolfgang Selchow; Tel.: (03 56 02) 7 09


 
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