SCHIEFE TURMKRONE DER EVANGELISCHEN KIRCHE MUSS ABGENOMMEN WERDEN

Das Kreuz kippt

ALEXANDER ENGELS

 Zossen, Dreifaltigkeitskirche

ZOSSEN Kreuz und Kugel auf dem Zossener Kirchturm am Markt müssen herunter. Wind und Nässe haben dem etwa 130 Jahre alten Symbol so sehr zugesetzt, dass es sich inzwischen deutlich erkennbar gen Osten neigt.

"Mir fällt seit zwei Jahren auf, dass die Turmkrone immer schiefer wird", sagt Superintendentin Katharina Furian. Zunächst habe sie sich von älteren Zossenern beschwichtigen lassen. "Das Kreuz stand schon immer schief", hieß es zum Beispiel. Ein Blick auf alte Fotos bewies ihr das Gegenteil. Also ließ die Superintendentin die Turmkrone jetzt von kletternden Bauspezialisten untersuchen. "Typische Schäden durch Alterung", stellte Falko Wiese-Schmidt von der Firma Alpintechnische Dienstleistungen dabei fest, "die Konstruktion ist an ihrer Grenze".

Das Problem liegt im so genannten Kaiser-Stil und in den verwendeten Metallen: innen Eisen, außen Kupfer. "Diese Metalle reagieren elektrolytisch miteinander", so Wiese-Schmidt, "das weniger edle Metall löst sich einfach langsam auf". Die Eisenstange, die durch Kreuz und Kugel geht und so für Stabilität sorgen soll, sei inzwischen "deutlich dünner" geworden und habe sich deshalb verbogen. Wie lange die Konstruktion noch hält, ist laut Wiese-Schmidt unwägbar. Doch wird die Turmkrone nicht plötzlich herunterfallen. "Es besteht keine akute Gefahr", so der Experte, dessen Firma schon mehreren Kirchen die Kronen abgenommen und wieder aufgesetzt hat. Als Beispiele nennt er die Kirche in Dabergotz bei Neuruppin und die St.-Marien-Kirche in Greifswald.

Voraussichtlich Mitte Mai wird ein Kran in Zossen anrücken, um Kreuz und Kugel abzunehmen. Sie sollen restauriert werden. Die Kupferhülle bleibt, aber anstelle von Eisen wird im Innern Edelstahl verwendet, um ein erneutes Rosten zu verhindern. Die aufwändig gestaltete Tülle, auf der die Kugel sitzt, muss hingegen komplett ersetzt werden. "An der äußeren Ansicht wird sich nichts ändern", sagt Wiese-Schmidt.

Den Kirchenbetrieb beeinträchtig die wackelnde Spitze nicht, so Pfarrerin Furian. Doch bereiten ihr die Kosten für die Reparatur Kopfzerbrechen: "Sie belaufen sich auf 9000 bis 10 000 Euro." Aus der Gemeindekasse kann sie das nicht bezahlen. Einen Zuschuss wird es wohl vom Kirchenkreis geben. Vor allem hoffe sie aber auf Spenden: "Der Erhalt des weithin sichtbaren Symbols muss doch auch Nicht-Gläubige interessieren."

- Kontakt zur Superintendentur: (0 33 77) 33 56 11.

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