Da ist der Wurm drin

Sanierung der Nieder Neuendorfer Kirche soll in diesem Jahr beginnen

ULRICH BERGT

NIEDER NEUENDORF Die drei Glocken im Turm der Dorfkirche von Nieder Neuendorf schweigen schon seit einiger Zeit. Nachdem Baugutachter sich das alte Gebälk und das Mauerwerk näher angesehen hatten, war 2004 das Läuten eingestellt worden. Im vorigen Jahr wurde außerdem ein provisorisches Schutzdach vor dem Kirchenportal errichtet. "Es besteht die Gefahr, dass Dachschindeln herabfallen", erläutert Jürgen Woelki. Im Gemeindekirchenrat ist er zuständig für Baufragen. Es ist nicht mehr zu übersehen: der denkmalgeschützte mittelalterliche Kirchenbau ist ein Sanierungsfall.

Die Ursprünge des Gotteshauses gehen auf eine aus Feld- und Backsteinen errichtete kleine Kapelle, vermutlich aus dem 13. Jahrhundert, zurück. Später wurde ein Turm mit quadratischem Grundriss hinzugefügt - sehr wehrhaft, mit anderthalb Meter dicken Mauern und Schießscharten. In unsicheren Zeiten konnten sich die Dorfbewohner hier in Sicherheit bringen. Die große Zeit der Nieder Neuendorfer Kirche lag zwischen 1385 und 1552, als der mittelalterliche Pilgerweg zur Wilsnacker Wunderblutkirche hier entlang führte. Hunderte Pilger zogen täglich durch den Ort, kehrten zum Gebet in die Kirche ein oder nahmen hier Quartier. Spuren davon sind noch an der nördlichen Außenmauer der Kirche zu entdecken. In dem unregelmäßigen Mauerwerk zeichnen sich die Umrisse früherer Anbauten ab.

Letzte Sanierungsarbeiten am Turm hatten in den 1950er-Jahren stattgefunden. "Seitdem ist nicht mehr viel unternommen worden", konstatiert Jürgen Woelki. Nach dem Mauerbau 1961 lag Nieder Neuendorf im Grenzgebiet. Da sei sogar die Turmbesteigung verboten gewesen, hat der 1993 aus Hennigsdorf Zugezogene von alten Nieder Neuendorfern erfahren.

Im vergangenen Jahr hat die Kirchengemeinde das Berliner Ingenieurbüro Andler mit einem Baugutachten beauftragt. Das Ergebnis ist eindeutig. Turm und Kirchenschiff müssen neu eingedeckt werden. Zuvor sind umfangreiche Sanierungsarbeiten am Gebälk erforderlich. Das ist vom Holzbock befallen, auch der Hausschwamm hat sein zerstörerisches Werk getan. Am Turmgesims ist das Mauerwerk in Ordnung zu bringen. Und auch gegen die Feuchtigkeitsschäden in den Wänden muss etwas unternommen werden. Risse haben sich im Mauerwerk gebildet. Der starke Lkw-Verkehr auf der Dorfstraße setzt das alte Gebäude starken Erschütterungen aus.

Die neueste Kostenschätzung geht von gut 191 000 Euro für die Arbeiten am Turm und noch einmal 180 000 Euro für das Kirchenschiff aus. Die Sanierung wird in zwei Etappen erfolgen, erklärt Jürgen Woelki. Möglichst noch in diesem Jahr soll die Turmsanierung in Angriff genommen werden.

Die Gemeinde selbst kann 40 000 Euro aufbringen, 37 500 Euro stellt der Kirchenkreis Pankow, zu dem Hennigsdorf und Nieder Neuendorf gehören, bereit. "Wir hoffen auch auf Unterstützung durch die Stadt", sagt das Kirchenratsmitglied. Die Gemeinde wendet sich ebenso an Unternehmen der Region. Und auch private Spenden sind willkommen. Jeder Spender soll dafür einen kleinen Dank erhalten und namentlich Erwähnung finden. Woelki: "Wir überlegen derzeit noch, wie das geschehen soll."

Wer für die Sanierung etwas spenden möchte, kann sich an die evangelische Kirchengemeinde Nieder Neuendorf, 03302/23 46 21, wenden.

Märkische Allgemeine vom 21. April 2006

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