VOM SCHWAMM ZERFRESSEN

Eine Million Euro für Sanierung der Heilig Geist Kirche Werder fehlen

REGINE GREINER

WERDER Sie ist gewaltig, trotz ihres Zustandes wunderschön und prägt maßgeblich Werders idyllische Inselstadt. Doch die 1858 nach Plänen von Friedrich August Stüler erbaute Heilig Geist Kirche ist zur Zeit auch ein Sorgenkind. Pfarrer Immo Riebicke kamen fast die Tränen, als er sah, was der "Echte Hausschwamm" unter dem Dach des Gotteshauses in den vergangenen Jahrzehnten angerichtet hat.

Nach den Sanierungen 1996/97 am Westturm, die allein 1,3 Millionen Euro verschlangen, sind nun Instandsetzungen am Dach und der Kirchendecke erforderlich, um das Gotteshaus zu retten. Die Bauleute sind seit April am Werk, das weitere 1,5 Millionen Euro kosten wird, wobei die komplette Finanzierung aller notwendigen Arbeiten bis heute nicht gesichert ist. Dies bereitet dem Pfarrer wie auch der Stadt Werder und Ute Funk vom Sanierungsträger große Sorgen. Zwar sind insgesamt 200 000 Euro Fördergelder vom Land sicher, 300 000 Euro bringt die Kirchengemeinde mit 2800 Mitgliedern durch einen Kredit auf, dennoch bleibt ein Loch von einer Million Euro. Doch jeder Euro wird gebraucht, um die geschädigte Mauerwerkskrone zu erneuern. Neben den Sanierungen im Inneren müssen das Dach neu mit Schiefer eingedeckt, die Regenentwässerung sowie die Dachanschlüsse und die Blitzschutzanlage hergerichtet werden. Allein die erforderlichen Fassadengerüste und das großflächige Wetterschutzdach auf Zeit haben ihren stolzen Preis.

Sind die Erneuerungen am Dach vollendet, sind nach den Worten des Architekten Klaus Block aus Berlin Restaurationen und Malerarbeiten an der Decke erforderlich. "Auch um die Instandsetzung der sechs einsturzgefährdeten Filialtürme und des Chorreiters kommt man nicht herum." Das weiß auch der Pfarrer. "Doch die Kirchengemeinde in Werder hat auch kein Land, das sie zur Finanzierung der Arbeiten verkaufen könnte, wie manche vielleicht glauben." Riebicke hofft, dass trotz aller Schwierigkeiten die Kirche am Heiligen Abend in diesem Jahr wieder geöffnet werden kann. Gegenwärtig finden die Gottesdienste und andere Veranstaltungen im Gemeindehaus statt, doch der Platz dort reicht oft nicht aus.

Ute Funk vom Sanierungsträger Potsdam weiß, wie knapp das Geld inzwischen für Arbeiten in der Altstadt geworden ist. Bekam Werder im vergangenen Jahr noch 1,7 Millionen Euro für Vorhaben im Sanierungsgebiet, so sind es in diesem Jahr nur eine Million Euro, und im nächsten Jahr werden laut Funk die Zuschüsse noch darunter liegen. "Dabei ist trotz großer Fortschritte in den vergangenen Jahren auf der Insel noch viel zu tun, ob im privaten Bereich oder bei der Sanierung des Schützenhauses, wie es sich die Stadt vorgenommen hat." Bei der Erneuerung der Kirche, die in Werder auch ein Anziehungspunkt für Touristen und Kulturfreunde ist, müsste man laut Funk auf mehrere Förderprogramme setzen können. Zuschüsse aus dem Kultur- und dem Tourismusfonds könnten zum Beispiel bei der Sanierung der Kirche dazu beitragen, das Projekt ohne Zitterpartie und Zeitverzug vollenden zu können.

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