EHRE WEM EHRE GEBÜHRT

Die brandenburgische "Dorfkirche des Monats" steht in Wassersuppe

MARKUS KNIEBELER

WASSERSUPPE "Das ist ja wirklich eine Freude." Aus Karin Baronin von Heyking sprudelte es nur so heraus, als sie erfuhr, dass die Kirche in Wassersuppe zur brandenburgischen "Dorfkirche des Monats" gekürt wurde. Seit Jahren kämpft von Heyking gemeinsam mit der Ortsbürgermeisterin Anke Bölke und engagierten Bürgern um den Erhalt des Gotteshauses.

Verantwortlich für diese Ehrenbezeugung ist der Förderkreis "Alte Kirchen Berlin-Brandenburg" e.V. "Wir haben auf die Krisenmeldungen aus Wassersuppe reagiert", sagte gestern Bernd Janowski, der Geschäftsführer des Vereins. Mit der Auszeichnung wolle man helfen, dass die notwendigen Schritte zur Rettung der Kirche eingeleitet werden können.

Dass die Kirche sich nicht in allerbestem Zustand befindet, ist seit Jahren bekannt. Undichte Stellen im Dach, Feuchtigkeit an den Wänden, die üblichen Alterserscheinungen eben. Doch die Lage spitzte sich vor gut zwei Monaten dramatisch zu, als bei Grabungen an der Außengiebelwand Schäden am Fundament festgestellt wurden. Einsturzgefahr.

Der Freundeskreis der Dorfkirche Wassersuppe, vor zwei Jahren gemeinsam von Baronin und Bürgermeisterin ins Leben gerufen, sandte einen Hilferuf an den Förderkreis Alte Kirchen und dieser Ruf wurde erhört.

Allerdings wird der Verein die Dorfkirche nicht im Alleingang retten können. Zwar ist mit dem Titel "Dorfkirche des Monats" ein Spendenaufruf verknüpft (Spenden-Konto: 51 99 76 70 05 bei der Berliner Volksbank; BLZ 10090000, Kennwort: Wassersuppe). Doch höchstwahrscheinlich wird das Geld für eine Komplettsanierung nicht reichen.

Was auch niemand erwartet. Vielmehr geht es darum, dass Dinge angestoßen werden. Wobei in bescheidenem Maße auch Gelder fließen. Ein dringend benötigtes Schadensgutachten etwa könnte über den Förderkreis finanziert werden. "Diese Analyse ist unverzichtbar", so Janowski. Denn erst wenn die baulichen Mängel erkannt seien, könnten Fördergelder gezielt beantragt werden.

Fast ebenso wichtig wie die finanzielle ist die fachliche Unterstützung durch den Verein. "Welche Förderprogramme gibt es? Wie müssen die Anträge formuliert werden? Wer sind die Ansprechpartner?" in all diesen Feldern kennt sich der Förderkreis Alte Kirchen bestens aus. Darüber hinaus können über den Verein Kontakte geknüpft und Erfahrungen ausgetauscht werden.

Eines allerdings ist unabdingbar, wenn man den Förderkreis ins Boot holen will: Dass die Initiative zum Erhalt einer Kirche vom Ort selbst ausgeht. "Es gibt über 1500 mittelalterliche Dorfkirchen in Brandenburg. Die meisten davon sind sanierungsbedürftig", so Janowski. Aber wenn sich im Dorf selber niemand einsetze, habe auch ein Eingreifen seitens des Vereins wenig Zweck. In Wassersuppe hingegen werde seit Jahren sehr aktiv um die Rettung der Kirche gekämpft mit Benefizkonzerten und anderen Aktionen. Das habe bei der Ernennung zur Dorfkirche des Monats keine unwichtige Rolle gespielt. "Auf dieses Engagement wird übrigens auch ein potenzieller Fördermittelgeber Wert legen", prophezeite Janowski. Denn es werde sicher kein Cent in eine Kirche gesteckt, für die sich kein Mensch interessiert.

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