Das Herz der 16-jährigen Johannes Jacob schlägt für die historische Dorfkirche von Ketzür

Liebeserklärung an eine alte Dame

STEFFEN SCHULZE

Dorfkirche Ketzür

KETZÜR Eines muss man Johannes Jacob lassen. Es gibt wohl kaum einen Besucher der Ketzürer Dorfkirche, bei dem der 16-jährige Gymnasiast keinen bleibenden Eindruck hinterlässt. Mit fester Stimme führt der rothaarige Ketzürer jeden Gast souverän durch eines der bekanntesten märkischen Gotteshäuser. "Das mache ich schon seit meinem elften Lebensjahr", berichtet Johannes Jacob. Und eben das ist ungewöhnlich.

Sein Interesse für einen der ältesten Kirchenbauten der Mark, der bis zum Sommer vergangenen Jahres für umgerechnet 700 000 Euro saniert wurde, kommt nicht von ungefähr. Zum einen lebt er mit seiner Familie in direkter Nachbarschaft zum Kirchenbau, im alten Pfarrhaus. Zum anderen war sein Vater, Klaus Jacob, als Restaurator maßgeblich an der originalgetreuen Wiederherstellung des Gotteshauses beteiligt. Das hat seine Spuren hinterlassen, weiß Johannes. "Ich bin immer mit meinem Vater mitgegangen, wenn er in die Kirche musste. Habe zugehört, wenn er Besuchern etwas erklärt hat", erinnert er sich.

Auch wenn Touristen, die zumeist der Kirche wegen, selbst sonntags um eine Führung bitten, Johannes Jacob ist mit ungebrochenem Eifer bei der Sache. "Mein Lieblingsstück ist das einzigartige Epitaph, das die alte Ketzürer Gutsherrenfamilie von Broesicke zeigt", sagt der junge Ketzürer mit einer Stimme, die auch dem Zuhörer in der letzten Ecke der romantischen Kirche nicht verborgen bleibt. "Im Vergleich zu den Epitaphen des Magdeburger Domes stellt dieser hier alles in den Schatten", schwärmt er und erklärt hingebungsvoll jedes noch so kleine Detail an dem Familiendenkmal der von Broesickes. Aber auch körperlichen Einsatz zeigt der junge Ketzürer, wenn es um die Dorfkirche geht. "Im vergangenen Winter ist durch den starken Wind Schnee auf den Dachboden des Gotteshauses geweht worden", berichtet Johannes. Das war sowohl durch das Tauwasser, als auch durch den Ballast eine Gefahr für die Kirche, die beseitigt werden musste. "So habe ich den zweiten Weihnachtsfeiertag beim Schneeschippen mit meiner Familie verbracht", lächelt er.

Bei einer solchen Faszination liegen für Johannes Jacob auch die Zukunftspläne schon klar auf der Hand: "Ich möchte den Beruf des Restaurators erlernen und ein Studium anschließen." Aber nicht nur die Kirche zieht ihn in seinen Bann. Auch die alte Ketzürer Mühle hat es Johannes angetan. "Wir haben im Dorf den Mühlenverein gegründet", berichtet der angehende Zehntklässler des Brandenburger Brecht-Gymnasiums. Der Verein will der 130 Jahre alten Windmühle, in der vor 47 Jahren letztmalig Korn gemahlen wurde, wieder neues Leben einhauchen.

Der Zuhörer merkt schnell, Johannes Jacobs Herz schlägt für Ketzür. "Ich würde hier nicht weg wollen", sagt er. Auch wenn in der Stadt mehr los sei, in Ketzür findet er alles, was ihm wichtig ist. Frei von Fernweh ist er jedoch nicht. "Nach Amerika oder Australien möchte ich vielleicht im elften Schuljahr", denkt sich Johannes. Auch Italien sei eine Überlegung wert. Dort gefällt ihm die Lebenseinstellung: "Im Süden sind die Menschen nicht so gehetzt wie bei uns."

So ungewöhnlich ist es alles nicht, was er tut, findet Johannes. Angespornt wird er aber immer wieder von Kirchenbesuchern, die es toll finden, wie sich ein junger Mensch für sein Dorf engagiert.