KUR FÜR DEN KANZELALTAR

Kleinod der Kirche in Grube erhält historische Farbfassung von 1746

CAROLA HEIN

GRUBE Wie eine dicke schwarze Zwiebel ragt die Haube des Kirchturms in den grauen Augusthimmel. Die vor allem in Süddeutschland verbreitete Form ist im Märkischen selten anzutreffen. Ebenso der außergewöhnliche hölzerne Kanzelaltar im Innern des 1746 gebauten Gotteshauses. Ab September wird das im Original erhaltene Kleinod von der Restauratorengemeinschaft Duras & Schuckardt behutsam aufgearbeitet. Bis zum Kirchenjubiläum 2006 soll der Innenraum wieder in früherer calvinistischer Bescheidenheit wirken wie vor 260 Jahren, als die Dorfkirche geweiht worden war.

Erste bauliche Instandsetzungsarbeiten ab 1985 stoppten den jahrzehntelangen Verfall des betagten Gemäuers. Seit dem Millennium widmen sich Denkmalpfleger der barocken Innenausstattung. Etappenweise wurden Kirchengestühl, Empore und Patronatsloge gerichtet.

Zentimeterweise untersucht

Nun ist der gräulich schimmernde Kanzelaltar mit dem hölzernen Schalldeckel, den ein Auge Gottes krönt, an der Reihe. Doreen Duras und Hanka Schuckardt haben ihn zwei Monate lang Zentimeterweise untersucht. "Wir hatten eigentlich erwartet, viel mehr Vergoldungen unter der heute sichtbaren Farbschicht zu finden", sagt Schuckardt. Mit dem Skalpell rückten die beiden jungen Diplomrestauratorinnen dem Pflegefall zu Leibe. Sie legten grünlich marmorierte Flächen frei und stellten fest, dass die am Altar sichtbaren Initiale "F R" sie stehen für Fridericus Rex alias Friedrich der Große und Patron der Kirche einst viel größer waren als heute.

Ziel der Anamnese war es, eine schlüssige Antwort auf die spannende Frage zu finden: Welche Farbfassung ist die ursprüngliche? Vier verschiedene ließen sich feststellen. Dennoch sind die Expertinnen für Wandmalereien und Farbigkeit sicher: "Der Altar war einst in einem gebrochenen Weiß gehalten, nur die Profilleisten hatten einen Holzfarbton", erklärt Duras.

Nach diesem eindeutigen Befund soll das gute Stück restauriert werden. Alle früheren Farbversionen sowie die aufgepinselten, vermutlich dem Neuen Testament entnommenen Inschriften (eine Barockisierung aus frühen DDR-Jahren) verschwinden damit.

Für das Vorhaben sind insgesamt 6600 Euro veranschlagt. Die Untere Denkmalschutzbehörde fördert es zu 80 Prozent. Deren Chef Andreas Kalesse versichert: "Die Dorfkirchen der neuen Ortsteile sind uns wichtig, sie dokumentieren die hiesige Glaubensgeschichte." Die restlichen 20 Prozent des Betrages will die kleine, 80 Kirchenglieder zählende Gemeinde durch Spenden einwerben. "Bis zum Jubiläum soll alles fertig sein", sagt Wolfgang Schwericke, Vorsitzender des Gemeindekirchenrates, zuversichtlich.

Fenster streichen, Unkraut jäten

Da bleibt noch einiges zu tun. "Die Holzfenster brauchen eine neue Lasur, am Sockel muss etwas ausgebessert werden, und Unkraut zupfen auf dem Weg zum Eingang steht auch bald wieder mal an", so Schwericke. Am 11. September, dem Tag des offenen Denkmals, ist Gelegenheit, die Schönheit vom Lande näher in Augenschein zu nehmen. 1746 unter Friedrich II. auf quadratischem Grundriss als Patronatskirche errichtet, erhielt sie 1890 eine Orgel von Meister Karl Eduard Gesell, dem Gründer der traditionsreichen Firma Schuke. Für die Generalüberholung des Instruments spendierte die Sparkassenstiftung 7300 Euro. Die Schönheitskuren für Orgel und Altar sind krönender Abschluss der sechsjährigen intensiven Restaurierung.

   Zur Artikelübersicht