Die Lücke fest im Blick

Von Gabriele Rataj

Altlandsberg (MOZ) Das stark lädierte Kirchenbauwerk in Wesendahl soll schon bald nicht mehr als Ruine erkennbar sein. Dafür haben sich die Mitglieder des Fördervereins Kirche Wesendahl seit ihrer Gründung vor zwei Jahren ins Zeug gelegt. Sie haben über zukunftsträchtigen Ideen gebrütet, angepackt, Mitstreiter interessiert, Sponsoren begeistert, selbst Geld gesammelt und einen Architekten gewonnen. Jetzt sind die Unterlagen für den Bauantrag fertig gestellt und die Vereinsmitglieder hoffen, im Oktober mit den Bauarbeiten beginnen zu können.

Noch klafft eine dicke Lücke zwischen dem Turm und dem Chor. Als hätte ein Sturm das Dach samt Dachstuhl über dem Mittelschiff emporgehoben und weggeweht. Nur die Mauern stehen unbewehrt und leere Fensterhöhlen lassen den Wind hindurchziehen.

Ähnliches bietet sich beim Blick zum Turm. Gut ein Drittel seiner einstigen Höhe hat er seit vielen Jahren eingebüßt. Wie angenagt zeigt sich der rote Mauerrand über dem wuchtigen Feldstein-Unterteil. Einzig der Chorraum, inzwischen als separater Raum für die Kirchengemeinde genutzt, macht nach der Neueindeckung einen völlig intakten Eindruck.

"Zunächst wollen wir die Lücke schließen", erläutert Vereinsvorsitzender Uwe Sack das beabsichtigte und inzwischen durch Planungsunterlagen fundierte Vorgehen. Auf das Mittelschiff kommt der Dachstuhl und dann wird gedeckt. So einfach ist das, strotzen der Fredersdorfer Sanierungsinitiator und seine Mitstreiter vor Engagement und Zuversicht für ihr Vorhaben. Verschiedene Firmen haben man für das Vorhaben schon angeschrieben. "Aber vielleicht fühlt sich jemand besonders prädestiniert", überlegt der Fredersdorfer, der selbst einen Baubetrieb hat.

Einfach aber ist es keineswegs. Denn nicht etwa ein moderner Dachstuhl soll die schützende Dachhaut später tragen. "Wir wollen richtig konventionell bauen", verrät Sack mit sichtlichem Stolz. Gemeinsam mit dem in Kirchensanierung vorbelasteten Architekten Klaus Schaffrick wird dafür auf Lärche gesetzt - Lärchenholz, das besonders resistent gegen verschiedenste Witterungseinflüsse und den gefürchteten Holzwurm ist. "Und dann die helle Lärchen-Balkendecke im Kirchenraum", träumt Sack schon einmal voraus. Das werde bestimmt richtig schön.

"Wir wollen die Sache richtig machen, damit die Wesendahler Kirche auch noch 500 Jahre stehen kann", meint Uwe Sack zudem mit Blick auf das ehrwürdige Alter des Sakralbaus. Das im 13. Jahrhundert erbaute Gotteshaus gehört wie andere Kirchen der Region zu den ältesten Kulturgütern des Landkreises.

Dazu gehören auch die Kirchenfenster, die der Verein für 1500 Euro gewissermaßen an Sponsoren "verkaufen" will. Einschließlich Turm sechs auf jeder Seite. "Vier haben wir schon", freut sich Sack. Renate Zabel aus Strausberg beispielsweise hat sich von dieser Idee gleich begeistern lassen. Aber auch die Vereinsmitglieder selbst stecken immer wieder mehr als ein paar Cent in ihr Vorhaben. Das Vorhaben eint gebürtige alte, nach dem Krieg umgesiedelte und neu zugezogene Wesendahler. Alfred Braetsch vor der Haustür und Frau Neumann aus Neuss, die gebürtige Wesendahlerin namens Weber, den Obstbaubetrieb im Ort oder das Bauzentrum in Petershagen. "Von dort bekommen wir alle Baustoffe zum Einkaufspreis." "Das Dach über dem Mittelschiff ist der Impuls", sagt Sack. "Wir wollen unbedingt anfangen, wir haben die Chance, es zu schaffen." Und aller Augen schielen auf den anvisierten Richtfesttermin Ende Oktober.

   Zur Artikelübersicht