DER EICHSTÄDTER KIRCHTURM WIRD SANIERT

Bald bröckelt's nicht mehr

ANDREA KATHERT

EICHSTÄDT Der Eichstädter Kirchturm, sonst weithin sichtbar ein Wahrzeichen des Ortes, sieht im Moment irgendwie geköpft aus. Das liegt an dem orangefarbenen Häubchen, das ihm die Bauleute übergestülpt haben, um das Loch abzudecken, das ganz oben klafft. Der Turm ist seiner Bekrönung beraubt (MAZ berichtete). Und nicht nur der Kaiserstil, die Kupferkugel und die Wetterfahne haben eine Rosskur nötig, sondern der ganze Kirchturm.

Das Problem ist seit Jahren bekannt. Aber wie allerorten mangelte es an Geld. Im vorigen Jahr nun wurde das Innere des Turm saniert. Gerade noch rechtzeitig, bevor das Bauwerk umgefallen wäre. Denn der Schwamm hatte ganze Arbeit im Gebälk geleistet. Eigentlich ist es ein Wunder, das nichts Schlimmeres passiert ist.

Zusammenbrechen wird der Kirchturm nun zwar nicht mehr, doch der Putz, der ständig von der Fassade bröckelt, ist auch keine angenehme Sache. Doch nun ist die notwendige Sanierung im Gange. Nerven genug hat Pfarrer Thomas Köhler schon gelassen.

Denn mit dem lieben Geld für solche Sachen ist es heute nicht anders als schon vor Jahrzehnten. Thomas Köhler hat aus den Jahren 1959 bis 1966 Korrespondenzen gefunden, die zwei Hefter füllen. Der damalige Pfarrer Ernst Sorge bemühte sich händeringend um Material zur Sanierung der Kirche und schrieb zig Firmen an. An Dachziegel kam der Pfarrer trotzdem nicht ran. Die wurden für die Schrägen gebraucht, an den Stellen, wo sich der Turm verjüngt. Als Notlösung griffen die Bauleute schließlich zu Beton, um den Absatz auszufüllen. Dass der nicht lange halten würde, war allen klar. Irgendwann hatte jemand Zinkblech für die Abdeckung organisiert. Doch es sollte nie aufs Dach kommen. Anfangs hieß es, die Reparaturen werden 5000 Mark kosten, doch am Ende wurde fünfmal so viel verbaut. Und das Gerüst blieb zwei volle Jahre stehen.

So lange soll es jetzt, 40 Jahre später, nicht dauern mit den Sanierungsarbeiten. Allerdings gibt es schon wieder Probleme mit der Finanzierung. Bis zum Jahresende wird die Turmsanierung im Inneren und an der Fassade 200 000 Euro verschlungen haben. Und eigentlich sollen die Arbeiten im nächsten Jahr noch weitergehen. 50 000 Euro waren eingeplant, obwohl 70 000 Euro wohl realistischer wären. Doch Pfarrer Thomas Köhler ist zu Ohren gekommen, dass das Förderprogramm "Dach und Fach" gestrichen werden soll. Bisher hatte die Kirchengemeinde daraus zwei Drittel der Gelder bekommen. "Wir bauen eben so lange, wie das Geld reicht", sagt Thomas Köhler. Und er denkt darüber nach, die Gemeinde Oberkrämer um Hilfe zu bitten. Thomas Köhler gibt die Hoffnung eben nicht auf.

Und selbst wenn der Bau nächstes Jahr nicht ganz fertig wird, ein Trost bleibt: Alter Putz wird niemanden mehr auf den Kopf fallen.

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