Döbberins Kirchturm wieder mit Uhr

Von Ines Rath

  Kirche Döbberin

"Anfang der 50-er Jahre hat die Uhr noch funktioniert. Wenn wir hinten auf dem Feld waren, konnten wir die Zeit ablesen", weiß Helga Hensel. Hans Puk aber ist sich sicher: "Als ich 1956 nach Döbberin kam, stand die Kirchturmuhr schon still." Bis dahin habe sich der Döbberiner Schmiedemeister Friedrich Sachse um die Uhr gekümmert, sie geschmiert, gewartet und nachgestellt, wissen die älteren Dorfbewohner. "Irgendwann Mitte der 50-er Jahre hat der Schmied erklärt, dass er die Reparatur nicht mehr hinkriege. Die Ersatzteile fehlten", erinnert sich Manfred Hensel.

Mit Interesse verfolgen die Senioren am Samstagvormittag das Geschehen am Kirchturm. Dort steht ein mobiler Kran, mit dem das neue Zifferblatt der Kirchturmuhr, die Zeiger und anderes, für den Wiedereinbau nötiges Gerät hinauf gebracht werden. Nach etwa einem Jahr verschwindet mit dem Einsetzen des neuen Zifferblattes das Loch im Turm.

Entstanden war es, als Bergsteiger im vorigen Jahr im Zuge von Sicherungsarbeiten an der Kirche das völlig verrostete alte Zifferblatt und die Zeiger mit geborgen hatten. "Eigentlich wollten sie alles verschrotten. Aber einige Döbberiner waren strikt dagegen. So wurde alles erstmal in der Kirche eingelagert", erinnert Ortsbürgermeister Ralf Tomczyk an das Geschehen vor einem Jahr.

Und dann war da Waldemar Kunkel. Der Falkenhagener ist Mitglied im Gemeindekirchenrat des Sprengels Falkenhagen, zu dem Döbberin gehört. Er sei ein starker Befürworter der Erneuerung der Döbberiner Kirchturmuhr gewesen und habe sich dafür "mächtig ins Zeug gelegt", sagt Ortsbürgermeister Tomczyk dankbar und voll Anerkennung.

Ende vorigen Jahres hat sich der Falkenhagener zunächst daran gemacht, das verrostete Zifferblatt zu erneuern. "Nur der alte Rahmen war noch verwendbar. Das Zifferblatt selbst habe ich statt wie ursprünglich aus Metall aus doppelt mit Aluminium beschichtetem Kunststoff wiederhergestellt", berichtet Waldemar Kunkel bescheiden. Die Ziffern hat der Falkenhagener Malermeister Lange aufgemalt. Die Zeiger hat ebenfalls Waldemar Kunkel neu gefertigt, aus Stahlblech und gestalterisch in Abstimmung mit den Döbberinern.

Blieb die Frage, ob es zwar ein neues Zifferblatt, aber keine funktionstüchtige Kirchturmuhr für Döbberin geben würde? Die Lösung ist auch in diesem Fall Waldemar Kunkels Engagement zu danken. Er sprach den Frankfurter Frank Reimer an, den er aus der gemeinsamen Arbeit im neuen Halbleiterinstitut kennt. Und zwar als leidenschaftlichen Hobby-Uhrmacher.

Der Frankfurter Elektroingenieur nahm die Herausforderung an - und schaffte die Reparatur des maroden Uhrwerks der Döbberiner Kirchturmuhr. Die Arbeit leistete er übrigens ehrenamtlich. Die Reparatur durch eine Firma hätten sich die Döbberiner nicht leisten können, weiß Ralf Tomczyk. "Die bisherigen Arbeiten haben wir aus den großzügigen Spenden finanziert, die uns die Döbberiner im Zusammenhang mit der 600-Jahrfeier unseres Dorfes im vorigen Jahr gegeben haben", erklärt der Ortsbürgermeister. Die Döbberiner, vor allem die älteren, hängen an ihrer Kirchturmuhr. "Sie war nach dem Krieg unsere einzige Zeit-Orientierung. Die anderen Uhren hatten uns die Russen ja abgenommen", erklärt Manfred Hensel.

"Ich denke, wir können das Uhrwerk bald einbauen. Fertig ist es jedenfalls. Frank Reimer ist derzeit nur im Urlaub", sagt Waldemar Kunkel am Samstag. Er hält es inzwischen auch für möglich, dass das defekte Schlagwerk wieder repariert werden kann. Auch wenn das noch einen erheblichen Aufwand erfordern würde. "Der Klöppel ist noch da" weiß der Falkenhagener.

Die Döbberiner Kirchturmuhr scheint zum zweiten Mal Glück zu haben: Zum Kriegsende hatte sie die Geschützeinschläge in den Kirchturm überstanden.

Märkische Oderzeitung vom 13. August 2006

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