Nur der Turm hält derzeit noch das Dach

Von Bärbel Kloppstech

  Kirche Lichtenow

Lichtenow (MOZ) Der Holzwurm hat in der Dorfkirche im Rüdersdorfer Ortsteil Lichtenow ganze Arbeit geleistet. Der Dachstuhl ist dringend sanierungsbedürftig. Am heutigen Donnerstag wollen Pfarrer Jens Greulich und weitere Mitstreiter die Gemeindevertreter darüber ins Bild setzen, damit sie Mittel freigeben.

"Geld ist knapp. Da fragt man sich bei jedem Posten doppelt", ist sich Jens Greulich bewusst, dass die Rüdersdorfer Abgeordneten sicher auch andere Verwendung für das Geld hätten, das er sich für das Gotteshaus erhofft. Allerdings hält er den Zustand des Gebäudes nach Expertenaussagen und nach eigenem Erleben auch für "bedenklich". "Durch Schädlingsbefall sind die Balken marode. Der Dachstuhl schwimmt geradezu. Es sind schon Gesimsteile heruntergekommen", erklärt er.

Fachleute von Landeskirche und Denkmalschutz sind zu dem Urteil gekommen, dass der gesamte Dachaufbau des Hauptschiffs ersetzt werden muss. "Es ist der seltene Fall, dass nicht im Bestand erneuert wird, sondern komplett abgebrochen werden muss", so der 40-jährige Herzfelder, der auch für die Lichtenower Kirche zuständig ist. Lediglich der Turm, mit dem man eine Dachsanierung üblicherweise beginnen würde, sei nicht so schlimm betroffen, sorge momentan noch für einen gewissen Halt.

Gut 250 000 Euro sind für die Sanierung des 1499 erbauten Gebäudes veranschlagt, inklusive Arbeiten am Turm sowie einiger "kleinerer" Maßnahmen wie das Öffnen zweier zugemauerter Fenster. Allein das Dach indes, das nicht auf mehrere Jahresscheiben gesplittet werden kann, wird rund 180 000 Euro kosten. "In Herzfelde hatten wir 250 000 D-Mark gebraucht, in Zinndorf 300 000 Mark, obwohl die Abmaße deutlich größer sind. Dass es hier so teuer wird, liegt am Umfang der Arbeiten", sagt Greulich. Da das gesamte Dach erneuert werden müsse, müsse auch die Zwischendecke raus und die Orgel ausgelagert werden, nennt er nur einige zusätzliche Posten. "Wenn man anfängt, muss man durch."

Laut einem Staatskirchenvertrag wird die Landeskirche Berlin-Brandenburg ein Drittel der Kosten tragen, ein weiteres der Kirchenkreis Fürstenwalde/ Strausberg. Für die evangelische Kirchengemeinde Herzfelde/Rehfelde bleiben mithin etwa 42 000 Euro als Eigenanteil übrig, die spätestens im Herbst nachgewiesen sein müssen, damit die anderen Gelder fließen und 2005 mit den Arbeiten begonnen werden kann. Angesichts knapper Kassen seien die rund 20 000 Euro, über die die Rüdersdorfer Abgeordneten demnächst entscheiden sollen, "eine recht hohe Summe", ist Greulich klar. Genauso klar ist ihm aber auch, dass mit der zum Dorffest im Juni gestarteten Spendenaktion nicht der gesamte Eigenanteil aufgebracht werden kann. "In Herzfelde hatten wir seinerzeit rund 30 000 Mark gesammelt. Aber die Spendenfreudigkeit ist gesunken und die Leute haben weniger Geld in der Tasche", argumentiert er. Und für Maßnahmen zur Sicherung des Gebäudes könne in keinem Fall zu viel Geld da sein.

Schließlich will Greulich die Kirche nicht nur für ihre ureigensten Zwecke nutzen. An geeigneter Stelle gelegen - weit genug entfernt vom Straßenlärm an der B 1, inmitten des Dorfes und in der Nachbarschaft gemeindlicher Einrichtungen wie der Feuerwehr - biete sich das Gotteshaus und der von der sanierten Feldsteinmauer umgebene Bereich für dörfliche Treffen förmlich an. Konzerte, Lesungen, Vorträge oder andere Kulturveranstaltungen kann er sich in dem Gemäuer sehr gut vorstellen - ein Grund mehr, es auch für spätere Generationen zu erhalten.

Der Gemeindepädagoge und Pfarrer, der außerdem Religion unterrichtet, hofft, dass dies auch die Entscheidungsträger so sehen. Und er hofft, dass nicht ein Winter mit viel Schnee oder ein Sturm mit Wind aus der falschen Richtung kommen, denn die könnten vor der Sanierung erheblichen Schaden anrichten.

Spendenkonto: Kontonummer 1599777110, Bank für Kirchen und Diakonie, BLZ 350 601 90, Verwendungszweck: Spende Kirche Lichtenow (unbedingt Verwendungszweck angeben!).

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