GERADE NOCH GERETTET

DIE BEETZER KIRCHE STAND SCHON AUF DER ABRISSLISTE/SIE IST 300 JAHRE ALT

ANDREA KATHERT

BEETZ Es fehlte nicht viel und die Beetzer hätten ihr Wahrzeichen mitten im Dorf verloren. "Ja, die Kirche stand schon auf der Abschussliste", erzählt Pfarrer Thomas Triebler. Anfang der 90er-Jahre drohte die Nordwand umzukippen. Der ganze Querbalken war vollkommen zerfressen, der Schwamm hatte im Gebälk gewütet. Die Wand hing nur noch in der Luft.

Den sieben fetten Jahren nach der Wende sei es zu verdanken, dass das Beetzer Gotteshaus noch steht, meint der Pfarrer. Mit Fördermitteln wurde die Kirche von 1993 bis 1995 komplett saniert. Große Teile des Fachwerkes mussten ausgetauscht werden.

Das Beetzer Gotteshaus hat auch in den letzten Jahren einiges mitgemacht. Im Januar 2002 jagte ein mächtiger Sturm über das Dorf. Die komplette Spitze des Kirchturms wurde heruntergewedelt. Die Kugel und die Wetterfahne waren demoliert. 14.500Euro Schaden waren über Nacht entstanden. Zum Glück zahlte die Versicherung den größten Teil des Schadens. Und im Juni 2002 bekam die Kirche ihre Spitze zurück.

Schon ein paar Monate später im selben Jahr tat sich schon wieder etwas auf dem Kirchendach. Dieses Mal hatte es aber nichts mit Reparaturen zu tun. Ganz im Gegenteil. Auf dem Pfarrgelände zog der Fortschritt ein. Große Solarmodule wurden auf der Rückseite des Kirchenschiffes angebracht. Von der Solaranlage profitierten unmittelbar auch die treuen Kirchgänger. Im Winter 2002 bekamen sie einen warmen Po beim Gottesdienst. Die Sitzbänke wurden mit einer elektrischen Heizung versehen. Denn Strom ist nun für die Beetzer Kirchengemeinde günstiger zu bekommen.

Ganz wunschlos glücklich ist Pfarrer Triebler aber immer noch nicht. Sein Gesichtsausdruck trübt sich, wenn er sich im Vorraum der Kirche umsieht. In großen Flatschen blättert die Farbe von der Wand. Lange hat sie nicht gehalten. "Wahrscheinlich passiert das Gleiche wie in Kremmen", vermutet Triebler. Auch in der Nikolaikirche kam die Farbe nach der Renovierung wieder runter.

Was der Beetzer Kirchengemeinderat auch immer wieder vor sich hergeschoben hat, ist ein Holzschutzgutachten für den Altar. Mit großer Sicherheit hat der Holzwurm zugeschlagen. Aber vielleicht ist der Altar auch noch von anderen Sachen befallen. Auf jeden Fall muss mit dem barocken Kanzelaltar aus der ersten Hälfte des 18.Jahrhunderts etwas unternommen werden. Denn so langsam spricht sich die Dorfkirche als beschauliche Traustätte herum. In diesem Jahr geben sich acht Paare das Ja-Wort. Immer häufiger kommen Hochzeitspaare aus Berlin nach Beetz. Pfarrer Triebler freut sich darüber. So hat die Beetzer Kirche eben ihre Besonderheit.

Doch als nächster Höhepunkt steht erst mal die Festwoche zum 300-jährigen Jubiläum des Gotteshauses vor der Tür. Im März war das Ereignis schon mit großem Bahnhof begangen worden. Landesbischof Wolfgang Huber war zu den Feierlichkeiten angereist. Vom 22. bis 28.August möchte nun die Kirchengemeinde selbst in aller Ruhe feiern.

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