Bis Heiligabend ist alles fertig

Gotteshaus erstmals wieder auf / Erster Bauaubschnitt abgeschlossen

ANDREA MÜLLER

  Mit ihrem hohen neugotischen Backsteinturm von 1896 scheint die Ragower Kirche ihrer großen Schwester in Mittenwalde Konkurrenz machen zu wollen
Mit ihrem hohen neugotischen Backsteinturm von 1896 scheint die Ragower Kirche ihrer großen Schwester in Mittenwalde Konkurrenz machen zu wollenGroßbildansicht

RAGOW In den nächsten Tagen werden die Gemeindemitglieder alle Hände voll zu tun kriegen: Nach umfassender Sanierung der Paul-Gerhardt-Kirche in Ragow muss das Gotteshaus gründlich gereinigt und das Gestühl wieder eingeräumt werden. "Heiligabend und am zweiten Weihnachtsfeiertag wollen wir hier Kirche feiern", sagt Hans Neuberg aus dem Gemeindekirchenrat.

Mit dem Abschluss des ersten Bauabschnittes ist ein großes Ziel erreicht: Die Kirche kann wieder genutzt werden. Zwar ist das während der Wintermonate nur in Ausnahmefällen möglich, doch ab dem Frühjahr wird in den Gemäuern das Leben wieder Einzug halten. Wenn dann im Herbst auch noch die sanierte Sauer-Orgel wieder kommt, steht einer intensiven Nutzung des Gotteshauses - auch für Konzerte - nichts mehr im Wege.

Doch bis hierher war es ein steiniger Weg. Die Kirche befand sich in einem sehr schlechten Zustand. Gemeinde und Kirchenkreis Zossen mussten viel Geld investieren, um sie außen und innen unter den Aspekten des Denkmalschutzes wieder in Ordnung zu bringen. So wurde die Fassade mit den Feldsteinen neu verfugt, das Dach frisch gedeckt, der Dachstuhl in großen Teilen erneuert, weil er stark von Schimmel befallen war. Außerdem sei das Holz in früheren Jahren mit einem hochgiftigen, so Neuberg, Holzschutzmittel behandelt worden, dessen Ausdünstungen gestoppt werden mussten, um Gäste der Kirche nicht zu gefährden. Um das Gemäuer des Gotteshauses vor eindringender Feuchtigkeit zu schützen, musste es rund 60 Zentimeter aus dem Erdreich ausgegraben werden, das sich über die Jahrhunderte am äußeren Sockel abgelagert hatte.

Bei den Renovierungsarbeiten im Innenraum wurden an den Seitenwänden Wandmalereien unter alten Farb- und Putzschichten entdeckt, die auf die Zeit zwischen 1250 und 1300 datiert werden. Offenbar sind zu dieser Zeit Tempelritter aus dem nahe gelegenen Mönchsgut Tempelhof von in der Mark ansässigen Zisterziensern mit dem Bau der Kirche beauftragt worden. Gemäß einer baurechtlichen Vorschrift aus dem 13. Jahrhundert musste der Bauherr zur feierlichen Einweihung sein Zeichen zwölfmal an der Kirchenwand anbringen. Sechs von diesen Weihekreuzen wurden nun wieder entdeckt. Seitens des Denkmalschutzes wurde die Auflage erteilt, diese freizulegen, zu erhalten und zu konservieren.

"Das hat natürlich alles wesentlich mehr Geld gekostet, als wir ursprünglich geplant hatten", so Neuberg. Statt rund 100 000 Euro stehen nunmehr 165 000 Euro für die Sanierung des Gotteshauses zu Buche. "Und dieses Geld musste ohne staatliche Förderung aufgebracht werden", fährt der Mann aus dem Gemeindekirchenrat fort.

Die angespannte finanzielle Situation macht es auch so schwierig, den zweiten Bauabschnitt in Angriff zu nehmen. Eingebaut werden müsse in die Kirche unbedingt noch eine Heizung. Dass es eine Gasheizung wird, stehe bereits fest. Ausgebaut werden soll auch die Sakristei. Eine kleine Teeküche und sanitäre Anlagen sollen hier einziehen. "Alles noch Zukunftsmusik", schätzt Hans Neuberg ein.

Zum Greifen nah dagegen ist die Wiedereröffnung zu Weihnachten. Jeden Tag wird die Kirche ein bisschen schöner. Gestern wurden die Lampen an der Decke angebracht. Wilhelma Niemeyer staubte den reich mit Schnitzwerk verzierten Altar aus dem 17. Jahrhundert ab. Bald wird auch das Gestühl wieder geholt, das während der Bauarbeiten bei der Märkischen Agrargenossenschaft eingelagert war.

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