WIEDER RESTAURATOREN IN DER SCHÖNHAGENER KIRCHE / ALTARRÜCKWAND SOLL NUN WEIß GESTRICHEN WERDEN

Südwand zeigt die Auferstehung

BEATE KOPF

 Schönhagen

SCHÖNHAGEN Mit klammen Fingern hockt Birgit Schönfelder auf dem wackeligen Gerüst in der eiskalten Kirche in Schönhagen (Stadt Pritzwalk). "Ich habe extra alles doppelt angezogen", sagt die junge Frau und zieht zum Beweis ihre Hosenbeine hoch, unter denen ein zweites Paar Beinkleider hervorschaut. Trotzdem kühlen Finger und Füße im Nu aus.

Denn die Restauratoren Birgit Schönfelder und Björn Scheewe bewegen sich nicht viel bei der Arbeit: Millimeterweise tragen sie mit Skalpell und Pinsel ganz vorsichtig alte Farbschichten von den Wänden der Kirche im Pritzwalker Ortsteil ab. Was die beiden Stralsunder im vergangenen Jahr an der Nordwand begannen, setzen sie jetzt an der Südwand fort - sie legen mittelalterliche Fresken frei.

Die Kirche aus dem 14. Jahrhundert vereint drei Baustile unter einem Dach. Während die Wandmalerei mittelalterlich ist, stammt die Innenausstattung aus dem Barock: Empore und Altar wurden 1694 eingebaut. Die Orgel hingegen, die um 1892 mitten in die Empore gesetzt wurde, weist klassizistische Züge auf. Für die Kirchengemeinde Schönhagen und Restauratoren galt es nun, eine Lösung für diesen denkmalpflegerischen Konflikt zu finden.

Zumindest teilweise wurde gestern eine Entscheidung getroffen, berichtet Pfarrer Ulrich Preuß. Am Vormittag hatten sich Vertreter der Oberen und Unteren Denkmalbehörde und des Gemeindekirchenrates, der zuständige Gebietsdezernent des kirchlichen Bauamtes, die Restauratoren und der Pfarrer in der Kirche getroffen: Die bisher in dunklen Blau- und Rottönen bemalte Wand hinter dem Altar soll nun in gebrochenem Weiß gestrichen werden. Damit bekommt sie laut Preuß den gleichen Anstrich wie die Wände hinter der Empore und passt sich auch dem Hintergrund der Fresken an.

Seit 15. September sind Scheewe und Schönfelder am Werk. "Wir haben 220 Stunden nur für die Freilegung der Fresken aufgebracht", so der Restaurator. Die Szenen stellen die Passionsgeschichte dar. Während an der Nordwand der Kreuzweg Christi zu sehen ist, scheint die Südwand die Auferstehung zu zeigen. Schönfelder hat einen schlafenden Grabwächter freigelegt. Probleme bereiten Wasserschäden - das Dach ist undicht. "Durch den Wassereintrag sind die oberen Bereiche zum Teil zusammengebacken, dadurch ist die Malschicht sehr fest", erklärt Schönfelder. Im Januar wollen die Restauratoren fertig sein. Die Wände ober- und unterhalb der Empore sind bereits gestrichen. Nun müssen die Fresken an der Südwand freigelegt und die Altarrückwand geweißt sein.

Finanziert wird laut Preuß die 30 000 Euro teure Maßnahme aus mehreren Töpfen: 15 000 Euro steuert das kirchliche Bauamt bei, 4000 Euro kommen vom Kirchenkreis und 11 000 Euro muss die Kirchengemeinde aufbringen. Bisher sind 2000 Euro an Spenden eingegangen. Für die weitere Kirchengestaltung muss noch ein Gesamtkonzept entwickelt werden. "Dazu sind aber noch Untersuchungen bezüglich Farbgebung und Material nötig", so Preuß.

Immerhin will der Pfarrer Weihnachten in der Kirche feiern - wenn auch dabei das Gerüst noch stehen wird.

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