DAMIT IST DIE STAHNSDORFER DORFKIRCHE IN AUSSTATTUNG UND FUNKTION WIEDER KOMPLETT / ZEITLOSE SCHÖNHEIT KANN AM WOCHENENDE BESTAUNT WERDEN

Restaurierte alte Bronzeglocke kehrte an ursprünglichen Platz zurück

JOSEF DRABEK

STAHNSDORF Zum Ende des alten Kirchenjahres kehrte die kleine Bronzeglocke aus dem 15./16. Jahrhundert wieder an ihren Platz im Holzturm der Dorfkirche zurück. Seit September war sie in Nördlingen restauriert worden und erstrahlt nun mit neuem Klöppel und einer polierten Inschrift (O Rex Gloriae/Christe/veni cum pace - O König der Herrlichkeit, Christus, komm' mit Frieden). Gemeinsam mit der großen Stahlglocke der Nachkriegszeit, die die 1942 eingeschmolzene Bronzeglocke von 1881 ersetzt, soll sie mit Hilfe eines modernen elektrischen Läutwerks künftig an jedem Tag den Mittag und Abend einläuten. Damit ist das Gotteshaus in Ausstattung und Funktion wieder komplett.

Deren zeitlose Schönheit kann während des wöchentlichen Gottesdienstes, bei der Adventsmusik am Sonntag, dem 7. Dezember, um 18 Uhr oder dem Adventskonzert am darauf folgenden Samstag, dem 13. Dezember, um 16 Uhr sowie bei anderen Veranstaltungen bestaunt und bewundert werden. Das gesamte Ensemble von Kirche, Friedhof und Pfarrhaus lässt sich übrigens im Foyer des Gemeindezentrums in der Annastraße überschauen, in dem ein Modell der Kirche zum Diorama des Besuches König Friedrich Wilhelm III. von 1834 gehört.

Den wuchtig-wehrhaften Sakralbau aus rohem Füllmauerwerk mit regelmäßiger Feldsteinverkleidung und unverputzten Außenmauern, dessen Vorbild in der Altmark zu suchen ist, hatten Zisterzienser und Kolonisten Anfang des 13. Jahrhunderts in zügiger Arbeit auf einer leichten Erhebung des Dorfangers errichtet. Ein ummauerter Friedhof umgibt die dreigliedrige spätromanische Kirche mit ihrem geräumigen rechteckigen Schiff, dem eingezogenen quadratischen Chorhaus und der kleinen halbrunden Apsis. Schiff und Chor sind mit ziegelgedeckten Satteldächern versehen, die Apsis ist mit einem blechverkleideten Kegeldach bekrönt. An der Westseite thront ein verbrettertes dachreiterähnliches Türmchen aus dem Jahre 1779, dem die an Schlichtheit orientierten Zisterzienser sicherlich zugestimmt hätten. Vor das Priesterportal an der Nordseite wurde 1860 die Sakristei angebaut, an deren Außenwand eine Tafel vom Wiederaufbau des Gotteshauses unter dem Patronat Ernst Ludewich von Hakes nach der Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg kündet. Unter dem Chorraum hatten bis zur Fertigstellung der Dorfkirche in Kleinmachnow (MAZ vom 20. 11., S. 24) Angehörige dieses Adelsgeschlechts ihre letzte Ruhestätte gefunden.

Mittelpunkt des Innenraumes ist der dreiflüglige spätgotische Holzaltar, den offenbar böhmische Künstler Anfang des 15. Jahrhunderts schufen. Der geschnitzte Schrein präsentiert sich auf neuem Unterbau mit breiten, innen leicht ausgekehlten Rahmen und einem Zinnenabschluss mit bekrönendem Kruzifix auf dem Mittelteil.

Die rustikale Kanzel mit dem Sternenhimmel am Schalldeckel stammt aus dem Barock. Ihm nachempfunden ist der Sockel, der die gegenüber stehende Figur des Auferstandenen trägt, die wahrscheinlich aus der Zeit um 1500 stammt. In aufwändiger filigraner Laubsägearbeit hat Gunther Heitz den zierlichen Sockel aus Buchenholz gefertigt. Nun überlegt er, jene Figur mit Kreuz und Siegesfähnchen auszustatten, so dass sie zu Ostern komplett sein kann. Vielleicht ist zu diesem Zeitpunkt die Figur der Heiligen Anna in der Nische links vom Altar wieder zu sehen, die das Figurenensemble vervollständigen würde. Die Taufschale aus Messing, ein Werk des 16. Jahrhunderts, hängt in einem Ständer, der ebenso wie der Tauf- und Osterleuchter, das Lesepult und die Gitter der Türen Arbeiten des Stahnsdorfer Kunstschmiedes und Bildhauers Christian Roehl sind. Die Sauer-Orgel fand 1962 ihren Platz auf der barocken Empore, die nach 1860 über der bisherigen Aufbahrungsstätte der Verstorbenen errichtet wurde.

Die behutsamen Restaurierungen Anfang der 80er Jahre legten an den Wänden spätromanische Ornamente (Weihekreuze mit stilisierten Lilienmotiven, die in den ursprünglichen Putz geritzt und dann bemalt worden waren) frei. Seitdem erstrahlen auch der Wappenfries des Patronatsgestühls aus dem 17. Jahrhundert und deren im Renaissancestil bemalte Rückwand, die unter der Empore einen neuen Platz gefunden hat, in neuem Glanz.

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