KLOSTERKIRCHENGEMEINDE WILL MIT STAHLKONSTRUKTION UM SPENDEN WERBEN

Glockenstuhl als Klingelbeutel

MATTHIAS GOTTWALD

 Neuruppin

NEURUPPIN "Wir können über alles reden, was eine Attraktion für die Stadt ist, und das ist sicher eine", sagt Bürgermeister Otto Theel (PDS). "Es wird Wege geben, das zu verwirklichen." Die Kirchengemeinde will den Teil des alten Glockenstuhls der Klosterkirche, der gestern demontiert wurde, zu Werbezwecken wieder aufstellen. "Die bevorstehende Sanierung der Klosterkirche wird knapp zwei Millionen Euro kosten", meint Wolfgang Schiemann, Vorsitzender des Bauausschusses im Gemeindekirchenrat. Zu viel Geld für die Kirche, auch wenn bis zu 40 Prozent Fördermittel und Zuschüsse durch die Landeskirche drin sind. Ein Förderverein soll Spenden für die Sanierung "des Wahrzeichens der Stadt" akquirieren, sagt Schiemann, im Hauptberuf Heizungsbauer. Als markantes Symbol soll der alte Glockenstuhl dienen.

Ein potenzielles Fördermitglied gibt es schon: Otto Theel will "auf alle Fälle" Mitglied werden, nicht aber Vorsitzender oder Schirmherr. "Da werden sich honorige Leute finden, die der Kirchengemeinde näher stehen", gibt der bekennende Atheist zu bedenken.

Auf einer achteinhalb Meter hohen Holzkonstruktion, der der Zahn der Zeit bisher nichts anhaben konnte, hatten die Erbauer der Türme eine Stahlkonstruktion gesetzt, an der die Glocken aufgehängt waren. Vorgefertigte genietete Stahlprofile, die im Turm verschraubt wurden. Taubendreck und mangelnder Rostschutz seien die Ursachen für den Verfall, der so weit fortgeschritten sei, dass eine Rekonstruktion nicht möglich ist, berichtet Architekt Siegfried Ismer. Der Denkmalschutz habe keine Einwände gegen den Abbau erhoben, wohl aber eine Dokumentation der Konstruktion vom Anfang des 20. Jahrhunderts verlangt. Für die Berechnungen des neuen Aufbaus wurden eigens Schwingungsmessungen durchgeführt. Ismer: "So konnten wir ausschließen, dass das Glockengeläut Dachstuhl und Mauerwerk schädigt." Die Verbindungen innerhalb des neuen Stahlgerüsts haben mit dem Vorgänger nichts mehr gemein. "Heute sind nur noch besondere Schrauben zugelassen." Sie sollen der dynamischen Belastung des Glockenstuhls besser und dauerhaft standhalten. Zum Weihnachtsfest läuten die Glocken wieder.

2008 soll mit der Sanierung der Klosterkirche begonnen werden. Der seeseitige Turm, in dem große Risse festgestellt wurden, wird verfestigt und es sind in großem Umfang Dachdecker- und Zimmererarbeiten geplant. Als Sofortmaßnahmen im nächsten Jahr werden die Kehlen, die den Dachstuhl in den Türmen aufnehmen, abgedichtet und der Blitzschutz erneuert.

Die alte Stahlkonstruktion an prominenter Stelle wiederzuerrichten, ist für Neuruppins Baudezernent Arne Krohn eine tolle Idee. "Man müsste sich zusammensetzen und einen Standort definieren." Es sei dabei zu klären, ob eine Baugenehmigung nötig ist oder auf Stadtebene entschieden werden kann. "Wir werden das positiv begleiten", sagt Krohn, der zuversichtlich ist, dass Kirchengemeinde und die Bürger Neuruppins die Sanierung der Klosterkirche gemeinsam bewältigen.

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