4500-EURO-SPENDE FÜR PAULINENAUER GOTTESHAUS

Kirche feierte Siebzigsten

JUDITH MEISNER

PAULINENAUE Als Prinz Oskar von Preußen sein Patenkind Christa Friesecke 1924 über das Taufbecken hielt, gab es noch keine Kirche in Paulinenaue. Das änderte sich erst acht Jahre später, im Jahr 1932.

Mit Gottesdienst und geselligem Beisammensein feierte die Gemeinde jetzt den siebzigsten Geburtstag des Kirchengebäudes. Eine Chronik wurde verlesen, der Chor brachte Adventliches zu Gehör und die Seniorengruppe stellte den Jüngeren ihre Lebenserfahrung sowie Rat und Tat in Glaubensfragen für die Zukunft zur Verfügung. Die Blockflötengruppe spielte Lieder zum Mitsingen.

Nachdem der Ort Paulinenaue 1924 entstanden war, gründete sich 1929 eine Gemeinde und drei Jahre später, 1932, war die unverzichtbare Dorfkirche im Stil der modernen Sachlichkeit mit Anklängen an die regionale Bauweise fertig gestellt.

Der Prinz, es war der Sohn Kaiser Wilhelms, sowie ein guter Freund des Vaters der kleinen Christa, blieb dem Ort verbunden und stiftete die bunten Glasfenster im Chor des Gotteshauses.

So gut ging es der Gemeinde allerdings nicht immer mit Politik und Obrigkeit. In den dreißiger Jahren übergab der damalige Pfarrer die Kollekte der Bekennenden Kirche, wandte sich also offen gegen das herrschende Regime der Nationalsozialisten und erntete damit wenig Verständnis: Er konnte sich in der Gemeinde nicht halten und wurde schließlich versetzt.

Zu DDR-Zeiten in den frühen sechziger Jahren versuchte der Rat des Kreises die Zahl der Jugendweihlinge in die Höhe zu treiben, denn diese war in den Augen der Obrigkeit zu gering. Es wurde erklärt, dass ein Pfarrer in Rattenfängermanier Kinder und Jugendliche von der Straße weggefangen habe, um sie in den Konfirmandenunterricht zu stecken und um so die Jugendweihen zu verhindern. Der Wahrheitsgehalt dieser Behauptung ist in der Gemeinde aber sehr umstritten.

Einig allerdings waren sich alle der etwa 350 Gemeindemitglieder, dass der schlechte Zustand des Gotteshauses zu verbessern sei: Sie spendeten insgesamt 4500 Euro für die Renovierung und einen neuen Außenputz der Kirche. Schon in den sechziger Jahren begann der Putz abzubröckeln. Bisher ist er nicht erneuert worden.

Inzwischen sieht die kleine Kirche mit dem Türmchen am Eingang wieder aus wie an jenem Barbaratag am 4. Dezember 1932 als das Gotteshaus eingeweiht wurde. Auch des Prinzen Patentochter Christa Friesecke, mittlerweile Hamburgerin, war mit ihrer Schwester angereist und nahm an dem Fest teil.

 

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