KUR FÜR SAKRALES FACHWERK

Nach überraschender Förderzusage sind Arbeiten in Dahlen angelaufen

MARCUS ALERT

DAHLEN Nur die Balkenkonstruktion der Dahlener Fachwerkkirche steht derzeit noch. Das ist von außen nicht zu erkennen, da Planen das Kirchlein verhüllen. Zentimeter um Zentimeter bringt derzeit eine Magdeburger Restaurierungsfirma die Eichenbalken der Fachwerkkonstruktion wieder ins rechte Lot. "Die Ostwand war um gut 30 Zentimeter rausgerutscht", verrät die Belziger Denkmalschützerin Regine Reif. Viele Balken seien zudem angefault gewesen und die ringsherum führende Schwelle habe die verschiedensten Höhen aufgewiesen. Aufgrund der großen Schäden müssten viele Balken ausgetauscht werden.

Die abgespeckte Sanierungsvariante soll 172 000 Euro kosten. 75 Prozent des Geldes sind Fördermittel des Landes, die Ende Oktober überraschend bewilligt worden sind. "Wir haben in diesem Jahr überhaupt nicht mehr damit gerechnet", sagt die zuständige Wolliner Pfarrerin Jana Büttner. Für das Fachwerkkirchlein ein echter Glücksfall. Denn seit den 1980er-Jahren war das Dach undicht, da sich das Holz im Bereich eines freistehenden Ofens völlig verzogen hatte. Und eine laienhafte Sanierung in der Wendezeit gab dem schmucken Gotteshaus den Rest. Etwa seit fünf Jahren bemühte sich die Denkmalpflege um die Fördermittel.

Von der Schierstedtchen Kirche wurden vor dem Sanierungsbeginn Messbilder angefertigt, um so den alten Zustand zu dokumentieren. Auch eine so genannte Dendro-Probe wurde genommen, um anhand einer Analyse der Jahresringe des Holzes das genaue Baujahr ermitteln zu können. In den Quellen ist immer von 1732 die Rede. "Ich rechne aber damit, dass die Dahlener Kirche um etwa 50 Jahre älter ist", betont Reif.

Um die Balkenkonstruktion mit Hilfe von Winden ausrichten zu können, wurden die Ziegel aus den Gefachen herausgenommen. Die dafür verwendeten Mauersteine wiesen die verschiedensten Formate auf. Sogar Klosterformatsteine waren darunter. Im kommenden Frühjahr soll alles wieder ordentlich ausgefüllt werden. Dazu orderte die Denkmalpflegerin inzwischen die Ziegel eines Stalles, der in Niemegk abgerissen worden ist. Zusätzlichen Halt werden der gut 300 Jahre alten Balkenkonstruktion Zug-Anker und Eisenspangen geben. Das Dach und der Turm werden übrigens nicht angerührt.

"Wir haben inzwischen eine Fristverlängerung für die Fertigstellung beantragt", erläutert Regine Reif. Denn durch die späte Fördermittelzusage sei die eigentlich geforderte Fertigstellung zum Jahresende einfach nicht möglich. Im Winter könnten bestimmte Arbeiten auch nicht ausgeführt werden. "In der warmen Jahreszeit wollen wir dann wieder Gottesdienste in dem Kirchlein halten", sagt Pfarrerin Jana Büttner. Die Kirche sei in der Regel gut besucht, da die Bewohner des benachbarten Pflegeheimes daran teilnehmen.

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