Richtfest für Wesendahler Kirche

Von Jens Sell

 Wesendahl

Altlandsberg (MOZ) Ein Freudenfest für den Ortsteil Wesendahl: Der Dachstuhl für die Dorfkirche steht. Jahrzehntelang war die kriegszerstörte Kirche eine Ruine. Bis sich ein Förderverein gründete und die Dorfbewohner mobilisierte. Mit der Gründung der neuen Stadt Altlandsberg flossen 70 000 Euro für das Projekt. Am vergangenen Sonnabend hat Bürgermeister Manfred Andruleit für das neue Jahr weitere 40 000 Euro zugesagt. Am 4. Januar sollen die Dachdecker anrücken. Die Luckenwalder Zimmererfirma Abbund verbaute 37 Kubikmeter Lärchenholz in den Dachstuhl, Deckenbalken und Holzdecke.

Die ganze Gemeinde und darüber hinaus viele Mitglieder des Fördervereins, Kommunalpolitiker und Sponsoren waren am vergangenen Samstagvormittag auf den Beinen, um die Fertigstellung des Kirchendachstuhls zu feiern. Volker Teuber von der Zimmererfirma Abbund Luckenwalde sprach den Richtspruch. Er war dafür besonders prädestiniert, denn er hat den Dachstuhl konstruiert, abgebunden und aufgerichtet, gibt ihm Firmeninhaber Wilfried Guhlke unumwunden die Ehre. 37 Kubikmeter Lärchenholz stecken in der Konstruktion: "Lärche ist neben Eiche das dauerhafteste und festeste einheimische Holz", sagt Guhlke. Die elf Meter langen Deckenbalken, die den Dachstuhl tragen, liegen auf den Seitenmauern auf und werden vom Überzug, einem noch stärkeren Längsbalken, in der Mitte gestützt. Sie sollen 750 Jahre halten, so Guhlke, so lange, wie die Kirche heute alt ist.

Für Architekt Klaus Schaffrick ist der Wesendahler Kirchenbau etwas ganz Besonderes, obwohl er schon Erfahrungen mit Kirchensanierungen in Dahlwitz-Hoppegarten, Kaulsdorf und Hennickendorf gesammelt hat: "Dass hier ein Förderverein so viel Hilfe mobilisiert und alle Bürger des Ortes mit anpacken, von der Feuerwehr bis zur Kirchengemeinde,ist einfach klasse", sagt er anerkennend. Und es war an Pfarrer Johannes Menard, das besonderes Verdienst von Initialzünder Uwe Sack aus Fredersdorf-Vogelsdorf zu würdigen, dem die Kirchenruine als Ortsfremdem so reizvoll ins Auge stach, dass er sich vor den Karren der Rekonstruktion spannte.

Für Uwe Sack war der Sonnabend ein sehr glücklicher Tag: "Wir haben ein erstes Zeichen gesetzt. Der neue Dachstuhl kündet weithin sichtbar von unserem Willen, allen Schwierigkeiten zum Trotz den Bau zu vollenden." Er weiß genau, wie es weitergehen wird. Daran hat auch die Stadt Altlandsberg ihren Anteil, die ihr Wort gehalten hat. 70 000 Euro, resultierend aus den Mitteln des Innenministeriums für sich bereitwillig zu neuen Städten zusammenschließenden Gemeinden und in der öffentlich-rechtlichen Vereinbarung festgehalten, sind in den Dachstuhl investiert worden." Und im Haushalt 2005 sind weitere 40 000 Euro eingeplant. Und dann ist ja auch noch nicht aller Haushaltsjahre Ende", sagte Bürgermeister Manfred Andruleit augenzwinkernd der MOZ.

Die Haushaltsmittel hätten aber bei weitem nicht für diesen ersten Schritt gereicht, ebenso wenig, wie sie für alle Folgenden reichen würden. "Ohne die tatkräftige Hilfe und auch das Geld der Fördervereinsmitglieder und der Wesendahler wäre das undenkbar", sagt Uwe Sack. Sponsoren geben nicht nur Geld, sondern liefern auch Baumate­rial zum Selbstkostenpreis, stellen Transportkapazitäten bereit oder bringen Leistungen ohne Gewinnaufschläge. Und dann sind da immer wieder die Bürger aus der ganzen Re­gion, deren Herzen für den sakralen Bau erwärmt wurden. Renate Zabel zum Beispiel, die ihrem Enkel eines der Kirchenfenster widmen und also finanzieren will. (MOZ berichtete) Uwe Sack rechnet mit rund 2000 Euro und verspricht, dass solche Stifter auf entsprechenden Täfelchen kenntlich gemacht würden. Im Gespräch beim Richtfest machte auch Manfred Andruleit ein Versprechen: "Ich werde mich bei den Altlandsberger Lionsfreunden einsetzen, ob wir nicht auch ein Fenster sponsern wollen."

Für Ortsteilbürgermeister Andreas Kniesel ist das konstruktive Verhältnis von Kirche und Kommunalpolitik wichtig: "Wir sind uns einig, dass wir nach der Fertigstellung der Kirche eine religiöse und weltliche Nutzung anstreben. Das Haus muss mit Leben erfüllt werden und wird, wenn es neben Gottesdiensten auch Konzerte, Ausstellungen und Familienfeiern beherbergt, zum echten Zentrum des Dorflebens." Er dankte seinem Vorgänger Hans Zunk für dessen Engagement für den Wiederaufbau.

Klaus Schaffrick sagt: "Viel größere Kirchengemeinden brauchen Jahre, um so weit zu kommen. Wesendahl hat in anderthalb Jahren ein Zeichen des gemeinsamen Willens gesetzt, das weit über das flache Land für das ganze Dorf spricht."

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