ULRICH SCHÖNE AUS MELLENSEE UND BERND SCHÜLER AUS BARUTH RESTAURIEREN PATRONATSSTÜHLE DER KIRCHE STÜLPE

Greise Sitzgelegenheiten kommen zu Ehren

GUDRUN SCHNECK

MELLENSEE Alte Möbel hat Ulrich Schöne oft und gern unter den Händen. "Aber diesmal ist es etwas Besonderes - ein Stück unserer Heimatgeschichte", schwärmt er. In der Mellenseer Werkstatt des Möbelrestaurators stehen derzeit vier greise Stühle aus der ehemaligen Patronatsloge der Kirche Stülpe. Wenn sie wieder sitzfest sind, sollen sie bei einer Veranstaltung in der Stülper Kirche eine besondere Rolle spielen. Doch dazu später.

Ulrich Schöne verleimt die Sitzgelegenheiten neu und arbeitet die mit Schnitzereien verzierten Holzoberflächen auf. Zum Schluss wird er sie mit Schellack überziehen. In wenigen Tagen reisen die historischen Eichenmöbel mit den hohen Rückenlehnen und den kleinen Kronen obendrauf zum Tapeziermeister Bernd Schüler nach Baruth. Er wird Sitze und Lehnen mit Rosshaar polstern und die Buchstaben A.R. mit Goldfaden in die Rückenlehnen einsticken lassen.

"A.R. - das sind wahrscheinlich die Initialen von Adolf Friedrich August von Rochow", weiß Wilfried Flach, Pfarrer der Kirchengemeinde Stülpe. Die Familie von Rochow übte von 1648 bis 1945 das Kirchenpatronat in Stülpe aus. Die vier Stühle standen in der Patronatloge der Kirche, die in den 70er Jahren wegen Schwammbefalls leider abgerissen wurde. Die Stühle aber sind noch da. Sie stammen laut Pfarrer Flach aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Im Rahmen des gegenwärtigen Preußenjahres lädt die Kreissparkasse Teltow-Fläming am 6. März Vertreter aus Wirtschaft, Kirche und Politik zu einer Diskussion mit dem Thema "Tradition und Aufbruch" in die Stülper Kirche ein, die eine der schönsten Dorfkirchen der Gegend ist.

Die Sparkasse hatte auch die Idee, auf eigene Kosten die Patronatsstühle restaurieren zu lassen und Gäste darauf zu platzieren: Karl Friedrich Erbprinz von Hohenzollern, die streitbare Theologin Uta Ranke-Heinemann, Landrat Peer Giesecke sowie Gastgeber Dieter Jansen, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse. Eingeladen sind auch Vertreter der Familie von Rochow und der Familie von Hake. Letztere hatte das Kirchenpatronat vor den Rochows inne, also bis zum Jahre 1648.

Pfarrer Wilfried Flach: "Unsere Kirche ist nur der äußere, zum Thema passende Rahmen der Veranstaltung. Da wir mit der Kreissparkasse gute Erfahrungen gemacht haben, öffnen wir ihr gern unsere Türen."

Die Sparkasse beteiligte sich mit ihrer Kulturstiftung an den aufwändigen Sanierungs- und Reparaturarbeiten an dem 440 Jahre alten Kirchengebäude. So finanzierte sie die Restaurierung eines Grabdenkmals an der Kirchen-Außenwand.

Auf eine Teilnahme an dem Forum mit adligen Herrschaften und anderen geladenen Gästen spekuliert der Mellenseer Möbelrestaurator Ulrich Schöne nicht, "aber sehen würde ich die fertig restaurierten Stühle schon gern einmal, wenn sie in der Stülper Kirche wieder ihren Platz haben", bekennt der Mellenseer. In seinem Wohnort setzt er sich übrigens im Mühlenverein für die Rekonstruktion der einstigen Wassermühle ein.
 

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