Baudenkmal Kirche braucht kräftigere Lobby

Landrat sagt Fördervereinen Bemühen um Mittel-Aufstockung zu

Boitzenburg (EB/J. Kontze). "Dringend notwendig" sei es, "die Förderung der Arbeiten an kirchlichen und anderen Baudenkmalen wieder stärker zu unterstützen", erklärten die Abgesandten aus elf Vereinen und Initiativen am Mittwochabend in Boitzenburg. Ihre "Petition 2002 der Fördervereine zur Denkmalpflege in der Uckermark" übergaben sie am Ende ihrer Gesprächsrunde, in der sie Möglichkeiten für eine auch öffentliche Nutzung von Kirchenräumen – im Einklang mit Kirche und Denkmalpflege – erörtert hatten, an Landrat Klemens Schmitz.

Aufmunternde Worte

Jürgen von Chamier vom Freundeskreis Gollmitzer Wehrkirche erinnerte an Zeiten, da der Kreis im Jahresetat mal 500.000 Mark "übrig hatte" für den Erhalt seiner Denkmale. Landrat Schmitz hatte den Ehrenamtlichen zuvor zugesagt, sich einsetzen zu wollen, "dass die Mittel für den Denkmalschutz in den nächsten Jahren aufgestockt werden". Das werde "einen großen Lobbyistenkampf erfordern", sei aber umso aussichtsreicher, je besser es gelinge "nachzuweisen, dass wir mit dem Geld noch mehr reinholen".

Das war zugleich Ermunterung für das, wie die Diskussion zeigte, nicht immer konfliktlose Bemühen um Nutzungserweiterung, in dem Kirche, Förderverein und Kommune, Wie Pfarrer Christian Fischer formulierte, trotz des "klaren Kirchengesetzes" letztlich "eine glückliche Einigung suchen".

Eine anregende, breite Palette von Möglichkeiten stellte Michael Kohtz, Vorsitzender des Boitzenburger Fördervereins "St. Marien auf dem Berge" zur Diskussion.: Theateraufführungen und –proben, Krippenspiele, Chortreffen, Podiumsgespräche, Lesungen, Konzerte, Ausstellungen... Kohtz regte an, mit einem Verbund von Kirchengemeinden und Fördervereinen die Anstrengungen zu koordinieren, um das Ziel offene Kirche besser zu erreichen und für Besucher der Region attraktiver zu gestalten – z.B. eine "Straße der Kirchen" zu entwickeln, "mit unseren Kirchen zu wuchern, die interessanten und schönen Gebäude stärker zur Geltung zu bringen".

Superintendent Reinhart Müller-Zetsche zeigte sich "froh über Vereine, die sich darum mühen, dass die Kirchen auf eine gute, sinnvolle Art erhalten und genutzt werden", plädierte jedoch auch – mit Bezug auf denkmalpflegerische Akribie – für eine Sanierung mit Augenmaß. Man müsse u. U. "auch Substanzverluste bewusst hinnehmen, die Chance haben an der richtigen Stelle Abstriche zu machen". Axel Kempert, Sachgebietsleiter in der Unteren Denkmalschutzbehörde hielt dagegen: "Am besten sind Denkmale in ihrer ursprünglichen Weise zu erhalten". Und was Umnutzungen anbetreffe, versicherte er, sei für die Behörde "jeder Fall eine Einzelfallentscheidung – weil es jedes Mal andere Ausgangsbedingungen vor Ort" gebe.


 
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