HOCHKARÄTIGE KÜNSTLER SOLLEN DIE DAMSDORFER KIRCHE AUSGESTALTEN

Pfarrer Danner hat große Pläne

DAMSDORF Pfarrer Reinhard Danner hat einen großen Plan. "Nachdem der Turm unserer Damsdorfer Kirche fertig ist und die Arbeiten am Dach auch bald abgeschlossen sind, wollen wir in diesem Jahr den Innenraum in Angriff nehmen", erklärt der ambitionierte Seelsorger vom Kirchensprengel Plötzin, zu dem auch Damsdorf gehört. Mit einem schlichten neuen Innenanstrich soll es jedoch nicht getan sein. "Wir haben uns in der Gemeinde darauf verständigt, dass ein bedeutender Künstler die Kirche ausmalt", sagt Danner, "obwohl die Damsdorfer Kirchengemeinde mit rund 300 Mitgliedern eigentlich arm ist."

An erster Stelle auf Danners Kandidatenliste steht der Name Peter Schubert. 1929 in Dresden geboren, hat der Künstler Fresken im Schloss Charlottenburg ebenso wie in der Deutschen Botschaft im Vatikan realisiert - um nur zwei Stationen aus Schuberts umfangreicher Vita zu nennen. Für die 1777 von einem unbekannten Baumeister errichtete Kirche in Damsdorf soll Schubert jetzt einen Entwurf für die Deckenbemalung entwickeln. Außerdem will Danner ihn auch für ein dreiteiliges Altarbild gewinnen.

"Natürlich sind wir auf das Entgegenkommen des Künstlers angewiesen. Normalerweise kostet es schon eine Stange Geld, wenn Schubert nur seine nächste Wirkungsstätte besichtigt." Doch Danners Köder ist ein spannendes Gesamtkonzept. "Ich habe das Projekt die 'Kreatur-Kirche' genannt", erzählt der Pfarrer, der das Gotteshaus vielfältigen Aktivitäten öffnen will.

"In der Kirche soll eine Art Installation entstehen, ein Mahnmal für die geschundene Kreatur." Dafür arbeitet er mit dem Bundesamt für Naturschutz zusammen. Die Behörde habe bereits zugesichert, ihm vom deutschen Zoll beschlagnahmtes Material aus illegalem Handel mit geschützten Tieren zur Verfügung zu stellen. "Aus Elefantenstoßzähnen, Krokodilpanzern oder Korallen soll ein anderer Künstler eine Skulptur entwickeln", sagt Danner begeistert. Wenn alles fertig ist, könnten Naturschutzverbände und unabhängige Experten die Kirche als Ort für Vorträge und wechselnde Ausstellungen nutzen. "Ich folge da meinem christlichen Selbstverständnisses. Es geht immer um den verantwortungsvollen Umgang mit der Schöpfung", erklärt Danner, der von sich sagt, viel Respekt für die Ökologie-Bewegung zu haben. Die Idee wirkt offensichtlich ansteckend. Nur vor diesem ideellen Hintergrund habe Schubert seine Mitarbeit zugesagt.

Kostspielig wird der nächste Bauabschnitt in jedem Fall. Eine erste Schätzung führt aufwändige bauliche Maßnahmen wie das Trockenlegen der Wände an und kommt so zu einer stattlichen Höhe von 400 000 Euro. Ein Betrag, der auch mit den bereits beantragten Fördermitteln die Möglichkeiten Damsdorfs eigentlich übersteigt. "Wir wollen deshalb so viel wie möglich in Eigenleistung erledigen", sagt Danner. Dazu gehört auch der Abriss des in den 50er Jahren entstandenen Backstein-Ensembles aus Altar, Kanzel und Taufbecken. "Damals war Denkmalschutz nicht so wichtig, man hat die barocke Inneneinrichtung einfach rausgerissen. Auch hier wollen wir eine neue Gestaltung", erklärt Danner, der beklagt, dass die Damsdorfer Protestanten sich seit dem Umbau nicht mehr mit ihrer Kirche identifizieren konnten.

"Bei allem ging es aber um die Frage, was so eine kleine und arme Gemeinde sinnvollerweise mit einer denkmalgeschützten Kirche anfangen soll." Denn am Anfang der großen Pläne stand bei Danner eine schmerzliche Einsicht: "Wir hatten ein zukunftsträchtiges Nutzungskonzept gesucht. Ansonsten hätten wir die Kirche irgendwann vielleicht an einen Privatmann verkaufen müssen."

 

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