SANIERUNG DER WITTSTOCKER ST.-MARIEN-KIRCHE OHNE HILFE NICHT FINANZIERBAR

Ringen um ein Wahrzeichen

WITTSTOCK Die Wittstocker St.-Marien-Kirche muss dringend saniert werden. Nur dies kann das wettergeschädigte Wittstocker Wahrzeichen retten. Umfangreiche Arbeiten an der Dachkonstruktion und Eindeckung sind nötig. Rund eine Million Euro würde das kosten. Dies haben Experten nach mehrmaliger Untersuchung des Bauwerks aus dem 13. Jahrhundert ausgerechnet. Dabei ist die Summe schon eine Sparvariante. Auch Mauerbereiche sind sanierungsbedürftig.

Die Dachfläche beträgt über 2900 Quadratmeter. Seit fast drei Jahren sperrt ein Bauzaun den gefährlichsten Bereich am dreischiffigen gotischen Gotteshaus ab. Schindeln fielen bereits herab, Passanten waren gefährdet. Auch die Edelstahlskulptur des Friedensengels an der Kirche blieb nicht verschont.

Die evangelische Kirchengemeinde Wittstock ist mit den Sanierungskosten jedoch hoffnungslos überfordert. Sie bemüht sich bereits darum, eine Stiftung eigens zur Kirchensanierung ins Leben zu rufen. Doch der notwendige Eigenmittelanteil ist durch Spenden kaum aufzubringen. Auch die Bauverwaltung der evangelischen Kirchen Brandenburg-Berlin sieht sich zu schneller Hilfe außerstande.

Deshalb arbeiten seit Monaten Stadtverwaltung, Kirchengemeinde und Superintendentur Wittstock-Ruppin eng zusammen, um eine Lösung zu finden. Die Stadt hat Hilfe angeboten. Sogar Ministerien sind inzwischen beteiligt. Das Kulturministerium hilft, Bundes- und Fördermittel von der EU frei zu bekommen. Mit im Boot sitzt auch das Landesamt für Denkmalpflege. Denn das über 800 Jahre alte Kirchenbauwerk soll auch zum "Nationalen Kulturgut" aufgewertet werden. Sein Erhalt wäre dann besonders förderwürdig.

Die Kirche hat inzwischen einen Fördermittelantrag beim Bundesverwaltungsamt Köln gestellt. Allerdings müsste sie selbst rund 20 Prozent Eigenmittel aufbringen. Über die Chancen der Förderung äußert sich kein Beteiligter. Die Stadtkasse zumindest würde nicht belastet, wenn es zur Bundesförderung kommt.

Alle Beteiligten in Wittstock warten jetzt auf den Ausgang der nächsten Tagung der Stiftung deutscher Denkmalschutz. In der wird noch im ersten Quartal über eine Vielzahl sanierungsbedürftiger denkmalgeschützter Bauten beraten und eine Rangfolge für Anträge auf Bundes- und EU-Mittel für dieses Jahr und 2005 entschieden. Noch in diesem Jahr könnte die erste Dachhälfte erneuert werden.

Ob Wittstocks größtes Kirchenbauwerk auf einem Spitzenplatz landet und mit einem Sanierungszuschuss rechnen kann, weiß derzeit niemand. Hoffnung auf die Rettung des Bauwerkes besteht erst, seit der Status "Nationales Denkmal" im Gespräch ist. Ohne diese Anerkennung müssten die Stadt Wittstock und die Kirchengemeinde eine große Summe Eigenmittel zusammentragen. Doch bereits die Reparatur der Orgel war ein Kraftakt. Es dauerte Jahre, bis genügend Spenden zusammenkamen. Dafür sorgte maßgeblich ein Wittstocker, der eine besonders große Einzelspende gab. gpd

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