Wurmkur soll den Altar von Frankenfelde retten

 Wurmkur soll den Altar von Frankenfelde retten
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Frankenfelde (MOZ) Sogar ohne den raumfüllenden Altar wirkt die Kirche noch imposant. Die Frankenfelder wissen, was sie an dem im 13. Jahrhundert erbauten und im 18. Jahrhundert erweiterten Denkmal haben, in dessen Erhalt nach der Wende mehr als 800 000 Euro geflossen sind. Das Gotteshaus sieht aus, als sei es aus zwei unterschiedlichen Gebäuden zusammengesetzt: Feldsteine dominieren die Fassade des Kirchenschiffs, ein warmer Gelbton den Putz des Turms, der unverkennbar Barockelemente aufweist.

"Dieser auf den ersten Blick wohl gewöhnungsbedürftige Anblick geht auf das historische Vorbild zurück", sagt Friedhelm Zapf, der sich nicht bloß im Geschichtsverein engagiert, sondern als Vorsitzender des Bauausschusses im Gemeindekirchenrat auch die drei Jahre dauernde Sanierung des Gotteshauses begleitet hat.

Dass die Kirche derzeit auf ihren Altar verzichten muss, hat ebenfalls mit unverzichtbaren Erhaltungsmaßnahmen zu tun: Der Holzwurm hatte sich schon tief ins Holz gefressen und wird gerade in Wünsdorf bekämpft, wo das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege zu finden ist. "Danach kommt der Altar nach Biesdorf - wo er in der Bildhauer-Werkstatt der Familie Blum restauriert wird", kündigt Friedhelm Zapf an.

Im von Dorett Klawitter geleiteten Geschichtsverein ist der ehemalige Landrat des Kreises Bad Freienwalde für seine Vorträge zur Frankenfelder Geschichte bekannt. Was den heutigen Wriezener Ortsteil betrifft, ist Friedhelm Zapf eine Art wandelndes Lexikon. Wie aus der Pistole geschossen nennt er etliche Belege dafür, dass der 1375 erstmals urkundlich erwähnte, jedoch noch weit ältere Ort in der ruhmreicheren Vergangenheit bedeutend und wohlhabend war. Im Amtshaus Frankenfelde habe sich einst die Elite der preußischen Landwirtschaft getroffen, verrät er. Die Steine für das Alte Museum in Berlin seien aus einer Ziegelei gekommen, die sich zwischen Frankenfelde und Lüdersdorf befunden habe, erzählt das Mitglied im Geschichtsverein.

Nicht bloß über die vielen Aktivitäten der Hobby-Historiker ist Ortsbürgermeister Rudi Caspar froh. Auch ohne die von Renate Rosenfeld geleiteten Landfrauen und ohne die von Winfried Rosenfeld angeführten Brandschützer wäre das öffentliche Leben in Frankenfelde weitaus ärmer, findet der Rentner, der zu LPG-Zeiten als Landmaschinen- und Traktorenschlosser gearbeitet hat. Rudi Caspar war auch dabei, als 1974 das Gebäude für den Konsum errichtet wurde, das auch heute noch neben der Kirche der Mittelpunkt des Dorfes ist. Zwar werden dort keine Waren des täglichen Bedarfs mehr verkauft. "Aber fast alles, was in Frankenfelde an Veranstaltungen über die Bühne geht, findet in unserem Bürgerhaus statt", betont der Ortsbürgermeister.

Vom "Wunder" von Frankenfelde berichtet auch unser Beitrag im Mitteilungsblatt vom Juli 2002: Statt Punkt Doppelpunkt gesetzt.

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