Patenbriefe für Orgelpfeifen

Instrument der Heilandskirche mit italienischer Note in Rekonstruktion

CLAUDIA KRAUSE

 Bis Ende 2008 soll die neue Orgel die Pappvariante abgelöst haben
Bis Ende 2008 soll die neue Orgel die Pappvariante in der Heilandskirche abgelöst haben. Brita von Bothmer, Andreas Kitschke und Küsterin Sabine Humke (r.) freuen sich schon auf das neue Instrument, das ein Besuchermagnet werden soll.
Foto: Joachim Liebe

SACROW Spätestens zum Weihnachtsgottesdienst 2008 soll die Orgel in der Heilandskirche Sacrow wieder erklingen. Der Gemeindekirchenrat hat sich jetzt für die Wiederherstellung des Instrumentes samt Rekonstruktion des historischen Gehäuses entschieden, und nach einer Ausschreibung ist mit dem Dresdner Kristian Wegscheider ein renommierter Orgelbauer verpflichtet worden. Ausschlag gebend für die Entscheidung zu Gunsten Wegscheiders war, dass er das "pfiffigste Angebot" gemacht hat. Das sagte der Landeskirchliche Orgelsachverständige Andreas Kitschke der MAZ.

Nach dem äußeren italienischen Erscheinungsbild des 1842 durch Ludwig Persius nach Plänen Friedrich Wilhelms IV. gebauten Gotteshauses soll auch die Orgel eine "italienische Note mit sehr weichen Klängen" bekommen, so Kitschke. Damit große Werke der Orgel-Literatur gespielt werden können, bekomme das Instrument künftig etwa 13 statt früher fünf Register. Kitschke hatte die Denkmalpfleger der Stadt und des Landes auch davon überzeugt, das historische Gehäuse rekonstruieren zu lassen, da vieles in der Kirche ohnehin auf diese Art wieder hergestellt worden sei, etwa Konsolen und Gestühl. Orgel und Gehäuse präsentieren sich bislang in schönstem Pappmaché auf der Empore.

Die 1847 von Gottlieb Heise gebaute und 1907 von Alexander Schuke erweiterte Orgel war wie die Kirche im Zweiten Weltkrieg beschädigt worden. Die Pfeifen wurden danach sämtlichst gestohlen, und seit 1961 hatten die mutwilligen Zerstörungen durch die Grenzer zugenommen, weiß Kitschke.

Für den Orgelneubau werden 180 000 Euro gebraucht. Seit der Wende sammelt die Gemeinde bereits Spenden und hat bis heute 110 000 Euro zusammen. Der seit 2002 agierende Ars Sacrow e.V. hat selbst noch einmal 15 727 Euro gesammelt, sagte Vorstandsfrau Brita von Bothmer. Aber allein werden Gemeindemitglieder und Sacrower das Werk nicht stemmen können. Spenden seien also weiter gefragt, so Bothmer. Initiiert wurde deshalb die Aktion "Jede Pfeife braucht einen Paten". Interessenten können sich eine Pfeife mit Wunschton aussuchen und den jeweiligen Betrag von 125, 250 oder 500 Euro auf das Spendenkonto überweisen. Der Potsdamer Künstler Rainer Ehrt hat extra einen Patenbrief als Kupferstich gestaltet. Alle Paten werden in das große Patenbuch eingetragen, das bei der Orgelweihe ausgestellt und anschließend verwahrt wird. Ob die Spendernamen auch in die Pfeifen eingraviert werden können, sei noch unklar. Bislang sind zehn Patenbriefe á 500, neun á 250 und 230 á 125 Euro ausgereicht worden.

Kitschke, Gemeindekirchenrat und Ars-Verein sind sich einig, dass die Orgel auch gebaut wird, wenn noch nicht die komplette Summe aufgebracht ist. Die Orgel könne auch schon für 125 000 Euro klingen. "In Caputh hatten bei der Weihe noch zwei Register gefehlt", so Kitschke. Das erste diesjährige Benefizkonzert zu Gunsten der Orgel findet am 7. Mai um 15 Uhr in der Heilandskirche statt. (Potsdam)

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