ABSCHIED VON GISELA OPITZ

Hunderte kamen zur Trauerfeier in der alten Neuendorfer Kirche

PEER STRAUBE

BABELSBERG Es war eine bewegende Zeremonie. Mehrere Hundert Menschen waren am Sonnabend zusammengekommen, um mit Gebeten und Liedern Abschied von Gisela Opitz zu nehmen, an jenem Ort, der nicht zuletzt dank ihres unermüdlichen Einsatzes wieder in alter Schönheit erstrahlt: der alten Neuendorfer Kirche.

Allein 120 Trauernde hatten sich in das kleine Gotteshaus gezwängt. Wer drinnen keinen Platz mehr fand, lauschte der Stimme von Pfarrer Martin Kwaschik über die in der eisigen Kälte aufgestellten Lautsprecher. Opitz habe sich zwar keine Rede gewünscht, sondern nur zwei Lieder, sagte Kwaschik, "aber laut nachdenken dürfen" sollte erlaubt sein. Noch einmal ließ er das Leben der vor einer Woche Verstorbenen Revue passieren: Geburt im heute polnischen Landsberg, Vertreibung aus der Heimat, dann Theologiestudium in Berlin, Rostock und Halle. 1961 die Heirat und die Geburt ihrer drei Söhne. Die Arbeit in Potsdam die Gründung des Autonomen Frauenzentrums nach der Wende, die Tätigkeit als Stadtverordnete. Schicksalsschläge, wie der Tod ihres Mannes 1995. Und die Gründung des Fördervereins für die Neuendorfer Kirche, dessen erfolgreiche Arbeit sie noch erleben durfte und der ihr sichtbares Vermächtnis bleibt.

"Viele werden in großer Dankbarkeit Abschied nehmen", sagte Kwaschik, und in Anspielung auf Opitz' Zerwürfnis mit dem Kirchenkreis vor einem Jahr: "Nicht immer gibt es Übereinstimmung. Wer will da richten." Vielen standen Tränen in den Augen, als die Trauernden der Verstorbenen am blumengeschmückten Sarg die letzte Ehre erwiesen. Stadtverordnete fast aller Fraktionen waren gekommen, Weggefährten der Kirchenarbeit, Kulturschaffende, Mitglieder des Fördervereins für die Neuendorfer Kirche, Verwandte und Freunde. Vor dem Kondolenzbuch bildeten sie eine lange Schlange. Die anschließende Beisetzung fand im engsten Familienkreis auf dem Friedhof in der Wichgrafstraße statt.

"Ihr Tod reißt eine große Lücke", sagte Superintendent Bertram Althausen der MAZ. Noch im November habe es Gespräche zwischen Opitz und dem Kirchenkreis über die künftige Nutzung der Angerkirche gegeben. Dörte Wernick vom Gemeindekirchenrat betonte, im letzten Jahr habe ein "monatelanger Gesprächs- und Versöhnungsprozess" stattgefunden. "Gisela Opitz hat viel auf den Weg gebracht", so Wernick, "dieser Weg wird weitergegangen."

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