Erstes Stück des Frankenfelder Altarbildes saniert

 Friedhelm Zapf (l.) und Prof. Dr. Norbert Blum präsentierten den Frankenfeldern am 7. Juli den ersten Teil des in mühevoller Kleinarbeit restaurierten Altarbild
Wertvolles Altarbild enthüllt: Friedhelm Zapf (l.) und Prof. Dr. Norbert Blum präsentierten den Frankenfeldern am 7. Juli den ersten Teil des in mühevoller Kleinarbeit restaurierten Altarbild.
Foto: GMD/Hannelore Siebenhaar

Frankenfelde (MOZ) Das Mittelstück des Altarbildes der Frankenfelder Kirche ist am Sonnabend mit einem von Pfarrer Christian Kohler gehaltenen Gottesdienst eingeweiht worden. Prof. Dr. Norbert Blum aus Biesdorf hat das aus Lindenholz geschnitzte Altarbild in mühevoller Kleinarbeit innerhalb eines Jahres restauriert. Nach nunmehr sieben Jahren kehrte das Bild in die Kirche zurück. Dies wurde von den Frankenfeldern am Wochenende gebührend gefeiert. Weitere Teile des Altarbildes lagern noch beim Landesdenkmahlamt in Wünsdorf und sollen nach und nach restauriert werden.

Als die Frankenfelder 1999 damit begannen, ihre Kirche zu sanieren, mussten sie den Altar abhängen, berichtete Friedhelm Zapf, der in dem zur Stadt Wriezen gehörenden 180-Seelen-Dorf als Motor der Kirchensanierung gilt. Das Altarbild, eine so genannte Predella besteht aus drei Teilen. Einer Abendmahlszene als Unterbau, der Kreuzigung als Mittelteil und einem Oberteil. Das nunmehr erste fertige Bild zeigt eine Szene, die aus kleinen geschnitzten Holzfiguren plastisch ausgestaltet ist. Sie sind einerseits im Bild fest installiert, scheinen aber aus ihm herauszuwachsen, was die Szene sehr lebendig erscheinen lässt. Im Vordergrund befindet sich die ans Kreuz genagelte Christusfigur.

Der Zahn der Zeit hatte verheerend an dem Bild genagt. Bei fast allen Holzfigürchen fehlten die Gliedmaßen, die Madonna hatte kein Gesicht mehr, beschreibt Prof. Blum den traurigen Zustand. Darüber hinaus hatte der Holzwurm dem Altarbild mächtig zugesetzt, so dass es auseinanderzufallen drohte. Die Teile wurden zum Landesdenkmalamt in Wünsdorf bei Potsdam gebracht, wo mit Gas dem Holzwurm der Garaus gemacht wurde. Anschließend wurden die Löcher in mühevoller Handarbeit geschlossen. Eine Flüssigkeit wurde hineingespritzt, die sich anschließend verfestigte, so dass das Altarbild wieder Halt bekam

"Wenn man so ein Stück das erste Mal sieht, ist das ein bisschen wie ein Abenteuer. Man kennt die Komposition des Vorgängers nicht", erklärte Blum, der Bildhauer ist und an der Kunsthochschule Weißensee plastisch-römisches Gestalten und Grundlagen der Bildhauerei gelehrt hat. Zuerst studierte er die Altarbilder in nahen Schulzendorf und in Ringenwalde (Uckermark), die der gleiche Meister geschaffen hatte, und fotografierte sie. Dabei stellte er in den Bildern eine unsichtbare Diagonale fest, an der sich die Figuren vom Ausdruck und der Körperhaltung her zu orientieren schienen. So konnte er die Haltung von Armen und Beine nachvollziehen und die Figuren wieder ergänzen. Insgesamt 21 filigrane Teile musste er ersetzen.

Die Zahl der Arbeitsstunden konnte Blum nicht nennen. "Das geht nicht wie am Fließband, man muss Pausen einlegen, um immer wieder den Blick zu schärfen", erläuterte der Professor. Wenn ein Bildhauer ein Porträt schafft, dann arbeite er vielleicht morgens zwei Stunden und nach einer ausgiebigen Mittagspause noch mal zwei Stunden. Sonst bestehe die Gefahr, dass er sich ins Detail verliert.

Blum habe den Altar zum Freundschaftspreis restauriert, sagte Friedhelm Zapf. Normale Preise könnten die Frankenfelder niemals bezahlen. "Wir haben noch offene Rechnungen", bekannte er. Die Gesamtkosten für die Restaurierung der Kirche betragen inzwischen 750 000 Euro. Allein 100 000 Euro hätten die Bürger des Ortes gespendet, sagt Zapf. Die gleiche Summe investierte die Kirchengemeinde, 150 000 Euro die Agentur für Arbeit. Das meisten Geld kam von Land und Bund Mit Hilfe der Bürger seien die Kirchenfenster und die Glocken restauriert worden. Ziel sei es nun, das Altarbild nach und nach zu sanieren und zurückzuholen. Die Teile lagern sicher in Wünsdorf. So soll die Sanierung fortgesetzt werden. "Ich traue mich schon gar nicht mehr, bei den Bürger zu sammeln", verriet Zapf. Dennoch gibt der Gemeindekirchenrat die Hoffnung, irgendwanneinmal die Fresken freizulegen, die in der Kirche als Fragment zu sehen sind und einst das gesamte Kirchenschiff zierten.

Märkische Oderzeitung vom 10. Juli 2006

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