KIRCHENGEMEINDE SAMMELT FÜR RESTAURIERUNG SELTENER FRESKEN

Kirchengemeinde sammelt für Restaurierung seltener Fresken

BEATE KOPF

Dorfkirche Schoenhagen

SCHÖNHAGEN Noch harren die mittelalterlichen Fresken an der Südwand der Dorfkirche von Schönhagen (Stadt Pritzwalk) ihrer Freilegung. Wie sie aussehen könnten, zeigt die bereits freigelegte Nordwand des kleinen Gotteshauses: Vor allem die rotbraunen Farbpigmente sind gut erhalten. Sie stellen vermutlich den Kreuzweg Christi dar. Im vergangenen Herbst hatten der Restaurator Björn Scheewe und seine Kollegin Birgit Schönfelder die figürlichen Darstellungen mit dem Skalpell von einer dicken Farbschicht befreit.

Noch in diesem Jahr solle auch die Südwand freigelegt werden, sagt der Falkenhagener Pfarrer Ulrich Preuß, zu dessen Sprengel die Kirchengemeinde Schönhagen gehört. "Dann soll der komplette Rest in Angriff genommen werden, also auch die Ostwand hinter dem Altar sowie die Flächen ober- und unterhalb der Empore." Und zwar möglichst von den gleichen Restauratoren.

Rund 30 000 Euro sind für die Restaurierung veranschlagt. Die evangelische Landeskirche Berlin-Brandenburg unterstützt das Vorhaben laut Preuß mit einer 50-prozentigen Förderung. "Vom Kirchenkreis haben wir außerdem 4000 Euro bekommen." Bedingung für diese Zuschüsse sei allerdings, dass die Kirchengemeinde ihren Eigenanteil aufbringt, so der Pfarrer. Eine kleine Baurücklage sei zwar noch vorhanden, doch die reiche nicht aus. Preuß stellte deshalb auch an den Landkreis Prignitz einen Antrag auf Förderung - angesichts der prekären Haushaltssituation freilich ohne Erfolg.

Um die Fresken in der kleinen Kirche aus dem 15. Jahrhundert dennoch restaurieren zu können, schrieb der Gemeindekirchenrat insgesamt rund 100 Briefe mit der Bitte um Spenden an Firmen, Institutionen und Einzelpersonen. "Da gab es auch schon ein Echo", sagt Preuß. So seien etwa von der TUL Agroservice GmbH 300 Euro und von der Sparkasse Prignitz 200 Euro überwiesen worden. "Wir freuen uns auch über kleine Beträge - das läppert sich zusammen", meint der Falkenhagener Pfarrer. Bis gestern kamen so 1000 Euro zusammen. Wenn die Kirchengemeinde die fehlende Summe dieses Jahr nicht aufbringt, kann nicht restauriert werden - dann müssen die Fördermittel zurück gegeben werden. "Da sind wir einfach auf die Hilfe freundlicher Menschen angewiesen", sagt Preuß. Die gerade mal etwa 90 Mitglieder der Kirchengemeinde können die fehlenden rund 8000 Euro kaum aufbringen. Immerhin hat das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege den guten Erhaltungszustand der Fresken als sehr positiv bewertet. Diese stellen "eine Besonderheit in der Prignitz und im Land Brandenburg dar", heißt es in einem Schreiben.

Seit 1991 wird an der Kirche gebaut. So konnten unter anderem das Dach, das Portal und der barocke Altar saniert werden - auch mit Unterstützung des Landkreises Prignitz. Der Altar macht übrigens das Dilemma in der Schönhagener Kirche überdeutlich sichtbar: Drei Baustile vereinigen sich hier. Denn neben den mittelalterlichen Fresken, die wohl aus der Zeit um 1500 stammen, und dem schwülstigen barocken Altar, der 1694 eingebaut wurde, findet sich in der Empore außerdem eine Orgel aus dem Jahre 1892, die klassizistische Merkmale zeigt.

Nach der Restaurierung soll aber die mittelalterliche Wandmalerei im Vordergrund stehen. "Dann wird die Kirche schön hell", meint Preuß.

Spenden für die Schönhagener Dorfkirche können an den Kirchenkreis Pritzwalk, Evangelische Darlehensgen. Berlin, BLZ 10 06 02 37, Konto-Nummer 16 02 45, Verwendungszweck: "Dorfkirche Schönhagen", überwiesen werden.

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