Zahn der Zeit nagt am Dachstuhl

Eberswalde (MOZ) Der Dachstuhl der Maria-Magdalenen-Kirche in Eberswalde bereitet Pfarrer Hanns-Peter Giering große Sorgen. Wenn er in den nächsten Jahren nicht saniert wird, könnte das Wahrzeichen der Eberswalder Innenstadt einstürzen. Experten schätzen die Baukosten auf mindestens 385 000 Euro. Selbst wenn die Sanierung öffentlich gefördert wird, geht Giering davon aus, dass die Stadtkirchengemeinde die Hälfte, also rund 190 000 Euro Eigenmittel aufbringen muss. Deshalb fängt der Pfarrer jetzt schon an, Spenden zu sammeln. Innerhalb der nächsten drei Jahre soll mit der Sanierung des Dachstuhls begonnen werden. "Für die Bauvorbereitungen brauchen wir noch zwei Jahre", so Giering.

Der Dachstuhl der Maria-Magdalenen-Kirche ist sehr alt. "Baufachleute erkennen das an der Verbindung der Balken, zum Beispiel durch Holznägel", sagt Hanns-Peter Giering. "Das Dramatische ist, dass diese Verbindungen, die dem Dachstuhl die Stabilität geben sollen, entweder nicht mehr funktionieren oder gar völlig fehlen." Auch seien die Balkenköpfe zum Teil beschädigt. Dort, wo sich an der Seite Türmchen befinden, ist der Dachansatz nicht sauber. Dort dingt Feuchtigkeit ein, weshalb sich an einigen Balken der Schwamm breit gemacht hat.

Über das tatsächliche Alter des Dachstuhls kann Giering keine gesicherten Angaben machen. Aber vermutlich sei er nach dem großen Stadtbrand von 1499 entstanden. Dachstuhl, Turmhaube und Orgel gingen in Flammen auf. Die Kirche wurde schwer beschädigt.

Beim Wiederaufbau wurde die ursprüngliche Basilika mit niedrigen Seitenschiffen, die eigene Dächer hatten, in eine Hallenkirche umgewandelt. Das heißt, ein großes Dach überdeckte das Hauptschiff und reichte über den First hinaus bis hinunter auf die Seitenschiffe. Gegen 1876 wurde die alte Basilika wiederhergestellt und das Dach über der Traufhöhe gekappt. Seitdem sieht es so aus wie heute. An der Statik wurde aber nichts verändert. "Die Bauexperten schließen aus, dass das Dach erst um 1876 entstand", so Pfarrer Giering.

Hauptproblem sei aber, dass der Dachstuhl über dem Chor, das heißt über dem Altar, auf dem Gewölbe lastet. Durch das Gewicht drückt das Gewölbe nach außen, so dass bereits Risse an der östlichen Außenwand der Kirche entstanden sind, die das Mauerwerk durchdringen und sogar in der Kirche über den Spitzen der gotischen Kirchenfenster zu sehen sind. Wann dieser folgenschwere statische Fehler entstand, sei nicht mehr nachzuvollziehen, sagt Giering. "Es besteht kein Anlass, die Kirche baupolizeilich zu sperren." Wenn aber jetzt nichts geschieht, sei das Bauwerk möglicherweise in einigen Jahren, vielleicht auch erst Jahrzehnten, so beschädigt, dass mit dem Einsturz zu rechnen ist. Wenngleich das Geld vorn und hinten fehlt, so dürfe man die Zeit nicht einfach verstreichen lassen. "Wir müssen jetzt nicht überstürzt rangehen, aber mit Ruhe und Energie die Sache anpacken", so der Pfarrer. Ziel sei, den Dachstuhl komplett zu überarbeiten. Ob dies in mehreren Bauabschnitten oder in einem Aufwasch passiert, sei noch nicht klar

Das erste Geld ist bereits gespendet worden. Vivatas-Geschäftsführer Thomas Blätterlein habe 1500 Euro zugesagt, freut sich Pfarrer Giering. Blätterlein saniert gerade das 100 Jahre alte Eckhaus mit dem markanten Giebel am Marktplatz. Die Baufirmen, die am Gerüst mit Reklameschildern für sich werben, hat er überredet, eine Spende für die Maria-Magdalenen-Kirche zur Verfügung zu stellen. Giering regt alle Eberswalder dazu an, sich mit eigenen Ideen zu beteiligen, um Geld für den Dachstuhl zu sammeln.

Beim Kirchenkreis Barnim ist ein Konto eingerichtet worden, wo Spenden für die Kirche eingezahlt werden können. "Wir freuen uns über jede Hilfe und stellen auch gerne Spendenbescheinigungen für das Finanzamt aus", sagt Giering. Empfänger ist die "Kreiskirchliche Kasse", Kontonummer 3594110004, Berliner Volksbank, BLZ 100 900 00. Als Zahlungsgrund ist "Spende MMK Dach" anzugeben.

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