WAS DIE STREICHUNG DER FÖRDERPROGRAMME DES BUNDES BEDEUTET

Denk mal!

MARTIN STEFKE

Die Bestürzung im Lande Brandenburg über die Aussetzung der Förderprogramme "Dach und Fach" und "Kultur in den Neuen Ländern" hält an. Seit das Landesamt für Denkmalpflege seinen mit 20 Millionen Mark bis 1994 recht gut ausgestatteten Denkmalsfonds in die Gemeindefinanzierung einbringen musste, verfügt Landeskonservator Detlef Karg kaum noch über eigene Mittel. Auf Fördermittel aus Berlin ist er deshalb angewiesen.

So war die Stimmung auf der diesjährigen Denkmalfahrt durch das Havelland und Potsdam-Mittelmark nicht gerade von Optimismus geprägt. Angesichts herausgeputzter Denkmale, wie der mit Zwiebelhauben versehenen Dorfkirche in Tremmen, geriet Detlef Karg zwar ins Schwärmen über die märkischen Kleinode, doch der Sanierungsbedarf bleibt weiterhin enorm. Was in Jahrzehnten vernachlässigt wurde, lässt sich nicht in einem Dutzend Jahre aufholen. Erst ein Drittel der Denkmale, verriet Karg, habe sein Haus auf Vordermann gebracht.

Das Kulturministerium stellte drei Beispiele vor, die untermauern sollen, was Förderprogramme bewirken können und welche Gefahren bei ihrem Wegfall drohen.

Im Ortsteil Weseram der Gemeinde Roskow macht Bürgermeister Ulrich Pleßke den Gästen klar, dass die Sanierung ohne Bundesmittel kaum begonnen hätte. Pleßke genießt es sichtlich, dass sich mit dem Tross auch Kulturministerin Johanna Wanka einmal in sein 438-Seelendorf verirrt hat. 100 000 Euro musste der Bürgermeister auf der Ausgabenseite seines Haushalts, wie er sagt, "kurz mal verschwinden lassen", weil einfach weniger Geld in die Kasse kam. Schweren Herzens hat der ehemalige Chef der LPG Tierproduktion also andere Investitionen gestrichen und zu seinen Leuten gesagt: "Wir müssen, was geht, noch in diesem Jahr durchziehen. Denn wer weiß, was noch kommt, ob diese Schrecklichkeiten weitergehen." Dabei blickt er zu Johanna Wanka, die ihn nur zu gut versteht und sagt: "Ja, es wird noch schlimmer kommen." Die Ministerin verweist auf die Steuerausfälle durch das Vorziehen der Steuerreform und wird politisch. Ihrer Überzeugung nach ist die Streichung ein Affront gegen die meist CDU-geführten Kulturministerien in den neuen Ländern.

In Weseram hat die Förderung eine Initialzündung bewirkt. Neben der bewilligten Dachsanierung wird die Gemeinde mit Geldern aus dem Dorferneuerungsprogramm den maroden Turm sanieren und Eigenleistungen erbringen. Wie hier ist es auf den weiteren Stationen der Reise: dem ehemaligen Mustergut der Familie Borsig in Groß Behnitz und der Ruine der Dorfkirche Rogäsen. Denn jede noch so kleine Förderung macht Mut und setzt neue Kräfte frei.

Im Grunde genommen geht es um wenig Geld. 1,3 Millionen Euro nämlich erhält bisher Brandenburg jedes Jahr für sein "Dach und Fach"-Programm. Da das Land den Betrag in gleicher Höhe aufstockt, erhöht sich das Investitionsvolumen. Hinzu kommen Eigenmittel der Bauherren und Drittmittel der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Unterm Strich stehen 4,8 Millionen Euro. Damit werden in diesem Jahr 50 Projekte gefördert. 80 Prozent davon sind Kirchen.

Zu ihnen zählt auch das Gotteshaus in Rogäsen, dessen Turmsanierung nun endlich beginnen kann. In der DDR wurde das Gebälk 1978 niedergerissen. Heute träumt die Architektin Heidrun Fleege von einem neuen Dach - aus Glas, damit der Bau seine Geschichte sichtbar bewahrt. Rogäsen hätte dann eine echte Attraktion. Doch derartige Ideen sind derzeit nicht gefragt. Landeskonservator Karg warnt sogar: Sollte der Bund das Geld ab 2004 nicht mehr zur Verfügung stellen, müssten zahlreiche Baustellen geschlossen und notdürftig gesichert werden. Die Arbeiten könnten nicht fortgesetzt werden.

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