Nur die Wenzlower Kirchgänger wissen seine Schönheit zu schätzen

Der unbekannte Engel

MARCUS ALERT

WENZLOW Mit einem Lächeln blickt der lebensgroße Engel auf die Besucher des Gottesdienstes herab. Taubendreck, Staub und Spinngeweben bedecken schon seit Jahrzehnten die elegant geschwungene Holzskulptur. Den Brand des Turms der Wenzlower Kirche 1899 erlebte der Himmelsbote genauso wie den Abriss der lang gestreckten Kirchturmspitze im Jahre 1981. Historischen Unterlagen zufolge ist der Wenzlower Taufengel rund 200 Jahre alt und darf heute zu den Raritäten in märkischen Dorfkirchen gezählt werden.

Bekannter ist der Trechwitzer Taufengel, der nach seinem Absturz von der Decke im letzten Jahr restauriert wurde. Auch das nicht weit von Wenzlow entfernte Dahlen hatte früher einen Taufengel im Gotteshaus, doch der lagert überholungsbedürftig in einem Depot. "Ich habe den Wenzlower Engel in meiner über 30-jährigen Amtszeit nie angerührt und somit auch nicht in Benutzung gehabt", sagt der im Januar in den Ruhestand getretene Pfarrer Wilfried Neugebauer. Da hätte er viel zu viel Angst gehabt, die hölzerne Figur etwa zu beschädigen. Er könne sich nicht erinnern, dass der Engel mit der Muschelschale in den Händen jemals bei einer Taufe "assistiert" hätte. Lang genug sei das Seil, um den mit goldenen Blumenmustern auf blauem Unter- und rotem Obergewand bemalten Engel herabzulassen. Jedoch hätten seine Vorgänger in den vorangegangenen Jahrhunderten bestimmt ganze Generationen von Wenzlowern mit Hilfe des Engels getauft.

Bei dem Wenzlower Taufengel handelt es sich um exzellente Handwerkskunst. Wer ihn wann herstellte, ist unbekannt. Denn noch kein Gutachter oder Denkmalpfleger ist der hölzernen Figur bisher zu nahe gekommen. "Wir haben noch nie Fördermittel beantragt, um ihn zu restaurieren", räumt Neugebauer ein. Wichtiger seien nach der Wende zunächst die Gebäude gewesen. Jetzt wäre es an der Zeit, dem Wenzlower Engel seinen Glanz zurückzugeben.