Es ist vollbracht: Kirche neu bedacht

Von Jens Sell

Strausberg (MOZ) Ein Bauvorhaben, das sich viele, nicht nur gläubige, Strausberger zu Eigen gemacht haben, hat seine Vollendung gefunden: Die Sankt-Marien-Kirche, das mit 750 Jahren älteste Gebäude der Stadt, ist neu eingedeckt. Kurz vor dem Pfingstfest, das im Kirchenkalender als Geburtsstunde der Kirche als solcher gilt, fiel das letzte Gerüst. Jetzt leuchten die großen Dachflächen rot in die Barnimer Landschaft und künden davon, dass die Strausberger Bürger und viele aus der Region und sogar ganz Deutschland über weltanschauliche Grenzen hinweg auch in wirtschaftlichen Krisenzeiten einen spürbaren Beitrag für ihre Stadt leisten wollen. 1200 Spenden haben der Freundeskreis St. Marien, die Kirchengemeinde und auch der Strausberger Lions-Club eingesammelt. Fast 65 000 Euro beträgt der Eigenanteil, mit dem die Investitionsmittel der Landeskirche und die Förderung kofinanziert wurden.

Das Glücksempfinden teilt sich in Freude und Stolz. Wenn Pfarrer Ekkehard Kirchner aus dem Fenster des Gemeindebüros in der Predigerstraße Spaziergänger den Blick zum Kirchendach heben sieht, freut er sich über den oftmals aufleuchtenden Stolz in den Mienen: Kein Baugerüst mehr vor dem Wahrzeichen der Stadt, dafür ausgedehnte Flächen roter Biberschwanzziegel, ein Anblick, auf dem das Auge weidet. "Gerade vor dem Pfingstfest, dem Geburtstag der Kirche im Kirchenkalender, ist das das schönste Geschenk für unsere Kirchengemeinde und unsere Stadt", schwärmt der Gottesmann über den gelungenen Kraftakt.

Und ein solcher war das Bauvorhaben, dessen Umfang und Kosten sich trotz Holzschutzgutachtens schon nach dem Aufnehmen der ersten alten Biberschwanzdachsteine angesichts des maroden Dachgebälks erheblich erhöhten. Unter denen, die sich von Anfang an für das neue Kirchendach engagierten, ist neben Landeskirche, Kirchenkreis und Kirchengemeinde zentral der Freundeskreis St. Marien zu nennen. Initiiert vom damaligen 2. Beigeordneten Dankwart Brinksmeier, organisierte der Verein immer wieder Veranstaltungen in der Kirche und um die Kirche herum, um Spenden einzusammeln. Benefizkonzerte, der alljährliche Nikolausmarkt, Eintopfmatineen in der "Fähre", der Verkauf von Quadratmetern Kirchendach - an Ideen für die gute Sache hat es nicht gemangelt. Doch lebte das stete Engagement fürs neue Dach auch in den Strausbergern. Man erinnert sich an die Hochzeitsgeschenke von Uschi und Uwe Heep, an die Spenden, die Dr. Alfred Wegner im Gesundheitszentrum an der Prötzeler Chaussee akquirierte, an Benefizkonzerte, die der Lions-Club für Dach und Orgel veranstaltete, oder große Kuchenmahlzeiten im Café Kunze.

"So eine große und viele Menschen umfassende Aktion für die Marienkirche hat es in den letzten 70 Jahren nicht gegeben", sagt der heutige Vorsitzende des Freundeskreises St. Marien Reiner Schwarze, und der Stolz schwingt deutlich hörbar in seiner Stimme mit. Auch ihm ist klar, dass der Freundeskreis mit dem Abbau des Gerüstes nicht seinen Daseinszweck verloren hat. Schließlich will auch der Freundeskreis seinen Beitrag leisten, um die aufgelaufenen Mehrkosten zu verringern.

Pfarrer Kirchner hofft auf eine einmalige Nachförderung und Zuwendungen der Landeskirche und des Kirchenkreises: "Ich will ganz klar sagen: Dieses Engagement der Fördermittelgeber und der Landeskirche wäre nicht denkbar, wenn wir hier in Strausberg nicht solch einen großen Eigenanteil aufgebracht hätten."

Für den Spaziergänger ist manches gar nicht sichtbar, was geschaffen wurde: So die zusätzliche Beleuchtung, die Rüdiger Neuguth mit seiner Elektrofirma am freigelegten Dachgewölbe einbaut, so dass man bei der Turmbesteigung noch eine zusätzliche Besichtigungsmöglichkeit gewonnen hat. Dort haben ABM-Kräfte zentnerweise Schutt und Geröll herausgeholt, so dass der Wehrgang, jahrhundertelang die einzige Verbindung zwischen Kirchenschiff und Turm, wieder freigelegt wurde. Pfarrer Kirchner lobt in diesem Zusammenhang auch die konstruktive Begleitung der Arbeiten durch die Denkmalschutzbehörde. Mit vernünftigen Kompromissen beispielsweise zur Dachentwässerung konnte so auch ein besserer Schutz der Portale erreicht werden. Er will sich bei einem Dankgottesdienst am 22. August, 14.30 Uhr, bei allen Mitwirkenden, sowohl herausragenden Spendern als auch Bauleuten, bedanken.

Am heutigen Sonnabend, 18 Uhr, wird durch die Musikschule Hugo Distler der Messias aufgeführt.

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