RENAISSANCE-DECKE IST RARITÄt

Schönheitskur für Wusterwitzer Kirche soll im Juli an der Haut beginnen

CLAUDIA NACK

WUSTERWITZ "Die Kirche war wahrscheinlich mal verputzt", staunt Pfarrer Siegfried Lück. Zum Beweis holt er die Kopie eines alten Fotos hervor. "Das habe ich in der Chronik von Pastor Eckstädt zur 750-Jahr-Feier von Wusterwitz entdeckt", sagt Lück. Die letzte große Renovierung des Gotteshauses liegt knapp hundert Jahre zurück. Von Putz ist nichts überliefert. "Vielleicht war es nur eine Schlämme", überlegt Architektin Heidrun Fleege. Ihre junge Kollegin Sandra Freitag nickt. Zeitgeschmack jener Jahre? "Aber das ändert nichts daran, dass die Kirche 1159 ursprünglich als Feldsteinkirche errichtet wurde", sagt Fleege, während sie auf das imposante Mauerwerk schaut. Gewissheit wird eine Untersuchung des Fugenmörtels bringen. Die war im Rahmen der Mitte Juli anlaufenden Sanierung des Wusterwitzer Gotteshauses ohnehin geplant. Denn die mit Zement ausgebesserten Stellen sollen wieder durch Kalkmörtel nach alter Rezeptur ersetzt werden.

Die Hülle kommt im ersten Abschnitt dran. "Zuerst wird der Turm eingerüstet", erklärt Freitag. Sein Schieferdach macht zwar rein äußerlich einen guten Eindruck, aber die Holzschalung darunter ist marode. Die Seitendächer des Turms und sein zu DDR-Zeiten überholtes Fachwerk werden repariert. "Die Dachhaut des Kirchenschiffs natürlich auch", sagt Fleege. Von den 1982 von Wusterwitzern in Feierabendarbeit aufgebrachten Tonbibern, die in Meißen hergestellt und mit Westgeld bezahlt worden waren, seien noch einige vorrätig. Die Dachkehle wird fachgerecht erneuert. "Die untergelegte Kehle wird durch eine eingebundene ersetzt", erklären die Expertinnen. Die Dachkonstruktion des Querschiffs aus Eichenholz wird denkmalgerecht durchrepariert. "Mit historischen Zimmermannsverbindungen wie Blatt und Zapfen." Die Feldsteinmauern werden komplett überarbeitet, fehlende Putzblenden an Fenstern ersetzt.

Im nächsten Jahr sollen die Arbeiten im Inneren beginnen. Dafür sind den Wusterwitzern die 70 000 Euro von der "Hermann Reemtsma Stiftung" aus Hamburg bereits sicher. Der Putz im Gotteshaus soll ausgebessert, unifarben gestrichen, die florale Schablonenmalerei von 1905 gereinigt, retouchiert und ergänzt, im Querschiff die Deckenschalung in der historischen Breite wieder hergestellt werden. Highlight aber ist die Renaissancedecke über dem Chor mit 19 verschiedenen Motiven, die im Lande ihres Gleichen sucht. Sie wurde um1500 ausgemalt. "Diese Schablonenmalerei auf Holz ist erstaunlich", so Freitag, "denn die war damals sonst auf Mauerwerk verbreitet." Die 500 Jahre alten Farbschichten sind originalgetreu erhalten. "Sie sollen keinesfalls nachgemalt, sondern nur gefestigt werden", erklären die Architektinnen. Chemische Veränderungen führten im Laufe der Zeit zu einer Bräunung des einst leuchtenden orangenfarbenen Pigmentes. Verwendet wurde einem Gutachten zufolge Mennige, vermutlich auch Kupfergrün und Rußschwarz. "Die jetzt schlichte Apsis war früher farbig gewesen und soll es wieder werden", sagen beide. Für Voruntersuchungen stelle die Untere Denkmalschutzbehörde 2000 Euro bereit.

Mit Hilfe von Städtebauförderung, Spenden, Kirchenmitteln seien etwa zwei Drittel des bei 415 000 Euro liegenden Sanierungsbedarfs gesichert. Im Mai konnten Lück und Gemeindevertreter Hans-Georg Apfel einen namhaften Betrag, der ungenannt bleiben soll, von der Jugend- und Kulturstiftung der Mittelbrandenburgischen Sparkasse in Potsdam in Empfang nehmen. Um größere und kleinere Förderer der Wusterwitzer Dorfkirche zu verewigen, hat Apfel eine Idee: Ein Spenderbuch. "Das könnte zusätzlich beflügeln."

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