Happy End für Orgel in Merzer Dorfkirche

Von Silvia Fichtner

Merz (MOZ) Nun wird die Orgel in der Merzer Kirche wohl doch saniert mit Hilfe der von Unternehmer Bernd Knispel gesammelten 13 000 Euro. Die Pastorin und der Gemeindekirchenrat sind auf Anraten "von oben" über ihren Schatten gesprungen und überlassen dem Sponsor die Wahl des Unternehmens, dass den Auftrag für die Sanierung bekommt. In dieser Frage nämlich hatten sich Pastorin und Gemeindekirchenrat bevormundet gefühlt.

Als der bekannte Autohersteller Porsche im vergangenen Jahr mit 1,8 Millionen dazu beitrug, die berühmte Ladegast-Orgel in der Leipziger Nikolaikirche zu erneuern und sich u.a. mit einem zusätzlichen, von Porsche-Designern gestalteten, Spieltisch sozusagen dauerhaft in dem Gotteshaus verewigte, wurde zum Reformationstag ein gewaltiges Einweihungsfest gefeiert. Porsche bekam Dank von vielen Seiten. Niemand fand etwas anrüchig daran, dass der noble Autohersteller so ganz nebenbei mit dem "Porsche-Spieltisch" nun für ewig in die Kirchengeschichte eingeht. Ohne die honorige Spende wäre das Vorhaben der Orgelerneuerung wohl kaum geglückt.

Anders erlebte es der Unternehmer Bernd Knispel aus Müllrose, der der Kirche in seinem Heimat- und Wohnort Merz ein Geschenk von 13 000 Euro machen wollte, die für die Erneuerung der kleinen Dorfkirchenorgel verwendet werden sollten. Knispel hatte die Bedingung daran geknüpft, dass die namhafte Firma W. Sauer Orgelbau mit Sitz in Müllrose die Sanierung vornimmt. Das jedoch passte Pastorin Marianne Tiedeke und dem Gemeindekirchenrat Krügersdorf-Grunow ganz und gar nicht. Wer den Auftrag bekommt, sollte nicht der Sponsor bestimmen. Man verschanzte sich hinter der Regel, dass solche Arbeiten ausgeschrieben werden müssten.

Doch die Frage war: gilt das auch im Falle einer Spende, die die gesamten Arbeiten abdeckt? Da war auch das Konsistorium der evangelischen Kirche Berlin/Brandenburg/schlesische Oberlausitz in Berlin unsicher. "So einen Fall hatten wir noch nicht", formulierte Landeskirchenmusikdirektor Dr. Gunter Kennel vorsichtig.

Vor wenigen Tagen nun sei der Gemeindekirchenrat Krügersdorf-Grunow vom Konsistorium in Berlin informiert worden, dass bestimmte Rechtsvorgaben aufgehoben seien, "wenn es sich um eine vorteilhafte Gelegenheit handelt", teilte Pastorin Tiedeke in einem Schreiben an die MOZ mit. Damit sei der Weg frei geräumt, "um dem Sponsor die Möglichkeit zu geben, die Orgelsanierung durch eine Fachfirma seiner Wahl durchzuführen". Der Gemeindekirchenrat habe die Spende nach dem damaligen Kenntnisstand nicht annehmen können, "weil das Bestimmungsrecht eines Sponsors unseres Erachtens nicht das Auftragsvergaberecht der Kirchengemeinde außer Kraft setzen konnte", schreibt die Pastorin weiter.

Bernd Knispel, der bis heute noch keine Information von der Kirche über die nun getroffene Entscheidung hat, verstand in den vergangenen Wochen die Welt nicht mehr. Um ein Haar hätte er die 13 000 Euro an seine Geschäftsfreunde, Partner, Bekannte, bei denen er für die Sanierung der Merzer Dorfkirchenorgel gesammelt hatte, an sie zurückgeben müssen. Und mancher der Spender hatte Knispel nach dem Gebahren der Kirche gar geraten, mit dem Geld doch lieber ein anderes Projekt zu unterstützen, wenn die Spende nicht gewollt sei bzw. an Befindlichkeiten scheitere.

"Es bleibt dabei: mit dem gesammelten Geld soll die Orgel in der Merzer Kirche saniert werden - von der Firma Sauer Orgelbau", sagt Knispel auf Nachfrage. "Merz ist mein Heimatort und ich lebe gern da. Es ist ein schönes Dorf, und wenn ich auf die eine oder andere Art dazu beitragen kann, das es noch schöner wird, tue ich das gern".

Dass dies nicht nur leere Worte sind, hat er mehrfach bewiesen. Nicht nur die Kirche hat von seinem Engagement schon einige Male profitiert, auch die Feuerwehr und die Gemeinde, für die er beispielsweise die Straßenbeleuchtung mitfinanzierte. Und nun die Orgel.

Das in dem Schreiben der Pastorin nicht ein einziges Mal das Wort danke steht, übersieht Bernd Knispel geflissentlich.

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