FESTLICHE EINWEIHUNG DER NEUEN STIFTERTAFEL AN WOLTERSDORFER KIRCHE

Der Hiob aus Woltersdorf

STEFFI PYANOE

WOLTERSDORF Es war eine Geschichte, wie das Leben sie schreibt, und wie es sie auch in der Bibel gibt: Superintendent Matthias Fichtmüller, der beim Festgottesdienst zur Einweihung der neuen Stiftertafel die Predigt hielt, verglich Otto Boenickes Lebensgeschichte mir der des alttestamentarischen Hiobs. Trotz all des Unglücks, das ihm widerfuhr (daher auch der Begriff "Hiobsbotschaft") hielt der an seinem Glauben fest und kam letztlich auch wieder zu Wohlstand.

Otto Boenicke wird 1848 in Woltersdorf geboren, geht dann zur Lehre nach Berlin, baut dort ein erfolgreiches Unternehmen als Zigarren- und Tabakwarenhändler auf, schafft es bis zum königlichen Hoflieferanten. Dann sterben ihm in fünf Wochen vier Kinder. Als Wochen später die Tochter Magdalena geboren wird, findet er in ihr Trost und Hoffnung. Sie überlebt und damit Boenickes Glaube. Viele Jahre später lässt er in seinem Heimatdorf eine Kirche erbauen, fast 70 000 Reichsmark spendet er für das Gebäude, für die Innenausstattung kommt die Gemeinde auf. 1911 ist die Kirche fertig.

Vergangenen Sonntag wurde nun die neue "alte" Stiftertafel an der Außenwand der Kirche eingeweiht. Manfred Stenzel hatte den originalen Text neu gestaltet, der an den frommen Geldgeber erinnern soll.

Dessen Nachfahren ließen es sich nicht nehmen, zu diesem Anlass dem Geburtsort ihres großzügigen Familienoberhauptes einen Besuch abzustatten. Alfred Boenicke aus Berlin, ein Großneffe des Zigarrenfabrikanten, eine Enkeltochter der Tochter Magdalena, Ortrun Fischer aus Obersdorf und andere Familienmitglieder, auch die Tochter des ersten Gemeindepfarrers waren nach Woltersdorf gekommen. Kirchenchor und Bläser gestalteten den festlichen Gottesdienst, an dessen Ende die neue Bronzetafel an der Seitenwand des Kirchgebäudes von Pfarrer Matthias Wolf, Matthias Fichtmüller und Ortrun Fischer enthüllt wurde. Der Posaunenchor spielte noch ein Ständchen, dann ging es zum Kaffeetrinken an die vor der Kirche gedeckten Tische. Bei Kaffee und Kuchen gab es noch genügend Gelegenheit, sich mit den Gästen über deren Familiengeschichte zu unterhalten. So wurde aus dem Gottesdienst schließlich fast ein kleines Gemeindefest.

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