Mit "Minna von Barnhelm" in Uckermark-Dorfkirchen

Klaushagen/Küstrinchen (fi). Theater in der Kirche e. V. präsentiert in Zusammenarbeit mit dem Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e. V. "Minna von Barnhelm".

Sechs junge Schauspieler vom Berliner "Atelier Startbrett" zeigten unter der Regie von Heidi Walier Lessings Lustspiel mit Bravour, Witz, List und Tücke am vergangenen Samstag in der Klaushagener und am Sonntag in der Küstrinchener Kirche.

Vor drei Jahren begann die Regisseurin mit ihren jungen Akteuren an verschiedenen Stücken zu arbeiten. In dieser sommerlichen Spielzeit betreten sie nun bereits zum zehnten Mal die Bretter, die die vorerst kleine Welt bedeuten. Das einfache Bühnenbild wirkt in der Klaushagener Kirche vor dem Altar anmutend. Musik von Mozart erklingt mit wunderbarer Akustik und versetzt die rund 40 Zuschauer in das 18. Jahrhundert. Fast zum Greifen nahe, agieren die Schauspieler und ernten Beifall nach jedem Vorhang, den es hier in Wirklichkeit gar nicht gibt. Sie sind alles in einer Person: Schauspieler, Masken- und Bühnenbildner und damit eröffnet sich ihnen ein breites Lernfeld. So beschreibt es auch Regisseurin Heidi Walier.

Warum Theater in dieser Kulisse und warum gerade dieses Stück? An den ehemaligen preußischen Orten, wo das Ensemble an acht Wochenenden spielt, biete sich "Minna von Barnhelm" an. Schließlich schuf Lessing dieses Werk, in dem die Titelfigur die selbstzerstörerischen Folgen eines übertriebenen preußischen Ehrbegriffes mit Charme, Witz und weiblicher List umgeht, im Jahre 1764 nach dem Ende des siebenjährigen Krieges. Minna von Barnhelm (Katharina Ingwersen) und Major von Teilheim (Leonard Schnittmann) bringen diese Botschaft mit dem Ensemble dem Publikum nahe. Sie vermitteln in Lessings Botschaft der Toleranz, Versöhnung und Emanzipation, dass das Stück zu Zeiten sich verschärfender kultureller Gegensätze und internationaler Spannungen immer noch seine Gültigkeit besitzt. Schon damals wurde geflirtet, geliebt, man verletzte und verzieh sich und auch das Geld spielte eine gewichtige Rolle. Auch Liebe versetzte damals schon Berge und Minna kämpft mit weiblicher List und Diplomatie um die Liebe Teilheims.

Mit dem Atelier Startbrett ist das Wandertheater wieder ins Gespräch gekommen. Es soll im Sinne Lessings zur Kommunikation beitragen, wünscht sich die Regisseurin. Sie wünscht sich auch Sponsoren, um das Theater weiterführen zu können und dankt ihrem Ehemann Rudolf Nothelfer, der seinem Namen alle Ehre macht, und das Ensemble als Schatzmeister auch finanziell unterstützt. Die Kostüme bekommt das Ensemble vom Deutschen Theater Berlin geliehen, die wenigen erforderlichen Möbelstücke vom Filmstudio Babelsberg.

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