Kirche Altranft akut gefährdet

 Kirche Altranft - Dachstuhl

Altranft (MOZ) Die für rund 250 000 Euro geplante Sanierung der Kirche Altranft wird erheblich teurer. Bei Beginn der Dacharbeiten wurden Schäden festgestellt, die sich noch nicht in Euro und Cent ausdrücken lassen. Am Donnerstag, 6. Mai, findet dazu eine Krisenberatung statt. Am Mittwoch, 5. Mai, sind alle Einwohner der Kurstadt eingeladen, an der Öffnung des Turmknopfes teilzunehmen. Oderland-Museumsleiter Dr. Reinhard Schmook und Pfarrerin Jutta Schmidt öffnen die 1901 hoffentlich mit historischen Dokumenten und Beigaben gefüllte Kartusche um 16 Uhr an der Kirche.

Die Nachricht vom desolaten Zustand des Dachstuhls an der Kirche Altranft hat die evangelische Kirchengemeinde des Museumsdorfes völlig überrascht. Das schmucke Gotteshaus, das die Fahrer auf der nahen Oder-Lausitz-Trasse so stolz und hell vom Dörfchen grüßt, machte bislang äußerlich gar keinen baufälligen Eindruck. Und selbst die jetzt begonnene Sanierung ist bereits in dem geplanten Umfang eher einem Zufall zu verdanken.

"Eigentlich wollten wir uns nur um den Kirchensockel kümmern. Dort bröckelt seit längerem schon der Zement ab. Und im Bereich der einstigen Gruft ist Wasser ins Mauerwerk gedrungen. An dieser Stelle haben wir einen hässlichen Wasserfleck in der Kirche", berichtet Jutta Schmidt, die Freienwalder Pfarrerin ist in Altranft Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, vom Ausgangspunkt vor einem Jahr. "Im Zuge der Prüfung der Antragsunterlagen für Fördermittel hatte sich der Bausachverständige des Konsistoriums auch den Dachstuhl angeschaut."

Dass es Schäden am Dach geben musste, war bekannt. Denn an einer Stelle hängt der Putz bereits als große Beule an der Kirchendecke. Es wurde ein Gutachten gemacht, das nicht nur einen Schwammbefall diagnostiziert: Das Dachgebinde liegt nicht mehr bündig, der Dachstuhl drückt das Mauerwerk nach außen. Mitunter liegen die Balken zehn Zentimeter von ihrem angestammten Platz entfernt. Konsequenz: der Dachstuhl trägt nicht mehr. Hinzu kommt noch eine Erbschaft aus DDR-Zeiten. Als der Holzwurm im Dachgebälk bekämpft worden war, hatte man die befallenen Balken abgebeilt und den Kern mit damals üblicher Chemikalie getränkt. Was es den heutigen Zimmerleuten schwierig macht. Nicht einmal Fliegen überleben auf dem Dachboden. Anfallender Staub muss deshalb als Sondermüll mit Schutzanzügen hinausgeschafft und entsorgt werden.

Welche Konsequenzen der jetzt festgestellte Schaden haben wird, soll bei einer Bauberatung geklärt werden, auf der am, Donnerstag, 6. Mai, auch der Baustatiker Stellung nehmen wird. "Wir wissen bisher nur, dass die Sanierung mehr kosten wird, als die bislang veranschlagten rund 250 000 Euro", so Jutta Schmidt. Das Land wollte sich mit rund 66 Prozent, rund 200 000 Euro, im Rahmen des Dorfkernsanierungsprogramms für Altranft an den Kosten beteiligen. Den Eigenanteil müssen der Bauherr, die Kirchengemeinde Altranft, und die Kurstadt tragen. Wobei die Stadt dafür gar kein Geld hat, wie der von der Schadensmeldung gestern ebenso überraschte Bad Freienwalder Bürgermeister Ralf Lehmann zugab.

Jutta Schmidt kann und will dem Urteil der Bausachverständigen nicht vorgreifen. Noch ist sie optimistisch, das die Kirche in diesem Jahr ein neues Dach, Biberschwänze sollen die Betonsteine ersetzen, erhält und sich alles noch zum Guten wendet. Zumal es in der Bad Freienwalder Stadtpfarrkirche Sankt Nikolai ein ähnliches Problem im Gebälk gibt wie der Altranfter Schwesterkirche. Doch davon will Jutta Schmidt jetzt gar nicht reden. "Ich hatte ja immer geglaubt, wir müssen die Freienwalder Kirche eher sanieren als die Altranfter." Eine baupolizeiliche Sperrung der Kirche gibt es noch nicht. Und die Kirchengemeinde versammelt sich zumeist im jetzt auch beheizten Gemeinderaum in der Krypta.

Nicht geplant war auch ein weiteres Sanierungsvorhaben: Der Turmknopf muss erneuert werden. Möglicherweise enthält er noch Dokumente und Beigaben aus dem Jahre 1901, dem Erbauungsjahr des Turmes. Dieses Geheimnis soll am Mittwoch, 5. Mai, um 16 Uhr vor Ort gelüftet werden. Danach steht allerdings die Frage, wie die Altranfter zu einem neuen Turmknopf kommen. Jutta Schmidt verheimlicht nicht, dass sie bereits mit Wilfried Schwuchow Kontakt aufgenommen hat. Der bekannte Angermünder Kunstschmied hatte bereits die Bad Freienwalder Kirche zu einem solchen Glanzpunkt verholfen.

   Zur Artikelübersicht