NACH EINJÄHRIGER BAUZEIT WURDE GESTERN DIE SEEBURGER KIRCHE EINGEWEIHT

Ein Dorf schuf sich seine Kirche

HILTRUD MÜLLER

 

Selbst die Stehplätze waren rar, als gestern die Seeburger Dorfkirche nach einjähriger Bauzeit erneut geweiht wurde. Gekommen waren zu diesem lang ersehnten Fest nicht nur Seeburger in Scharen, sondern auch Freunde aus dem Kirchenkreis Falkensee, Interessierte aus den Nachbarorten und nicht zuletzt Generalsuperintendent Hans-Ulrich Schulz aus Potsdam, der die Predigt hielt. "Wie eine offene Wunde hat diese Ruine 57 Jahre lang mitten im Ort gelegen, die von allein nicht heilen wollte", mit diesen Worten erinnerte er an die unrühmliche jüngste Geschichte dieser aus dem 12. Jahrhundert stammenden Feldsteinkirche, die im April 1945 den Flammen zum Opfer gefallen war und seitdem als mahnender Rumpf das Bild des Dorfes prägte.

Vor zwei Jahren entschloss sich die Kirchengemeinde, den Wiederaufbau zu wagen und fand in dem Berliner Architekten Gerhard Köhne ihren Verbündeten. Er kannte die Kirche aus seiner Kindheit und vermisste ihr vertrautes, unversehrtes Bild, wenn er seine Mutter besuchte, die noch heute in Seeburg lebt. Köhne übernahm mit seinem Sohn Uwe die Architektenleistung und zwar unentgeltlich. Das wiederum motivierte die Kirchengemeinde umso mehr, Spenden und Fördergelder einzuwerben, Stifter für die Kirchenfenster aufzutreiben und in den eigenen Reihen Arbeitseinsätze auf der Baustelle zu organisieren. Als Bauleiter fungierte ein Trio - Architekt Gerhard Köhne sowie Erich Pfuhl und Otto Boltz vom Gemeindekirchenrat. Mit Unterstützung des eigens für den Wiederaufbau gegründeten Förderveins Tectum Dei (Dach Gottes), durch Eigenleistungen und Spenden wurden 249 000 Mark an Eigenmitteln aufgebracht. Landeskirche und Kirchenkreis legten 323 000 Mark dazu, das Kulturministerium 150 000... Am Ende war der komplette Wiederaufbau für preiswerte 809 100 Mark zu haben - obwohl die veranschlagten Kosten dabei überschritten wurden, denn die Auflagen der Denkmalpflege hatten naturgemäß ihren Preis.

Entstanden ist eine Kirche, die ihre mittelalterliche Herkunft nicht leugnet und um moderne Funktionen bereichert worden ist. So wurde das Mauerwerk saniert, die zugemauerten Fenster geöffnet, die im Altarraum mit farbigen Bleiglasmotiven versehen. Der Fußboden erhielt eine Heizung unter Terracotta, das einst als Freilufthof genutzte Kirchenschiff wurde ausgebaut und kann auch separat als Klubraum genutzt werden, nebenan Teeküche und Toilette. Seit sich Seeburg nach dem Mauerfall in seiner Einwohnerzahl verdreifacht hat, wurde das Kirchlein nämlich auch für außerkirchliche Anlässe genutzt - als Ort der Begegnung und der Kultur. Und so soll es auch fürderhin bleiben in diesem Kirchenbau, der nicht zuletzt seinen Turm zurückgewann - himmelwärts weisend und weithin sichtbar.

 

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