GREBSER ENGAGIEREN SICH FÜR EINE UHR AM TURM IHRER KIRCHE

Wissen, was die Stunde schlägt

GREBS Die Grebser sollen im kommenden Jahr wieder wissen, was die Stunde geschlagen hat. Auch wenn sie dafür ziemlich die Hälse recken müssen, weil das Chronometer in 20 Metern Höhe hängen soll. Rechtzeitig zu ihrem 100. Geburtstag der Kirche möchten die Grebser dem Turm zu einer neuen Uhr verhelfen. In der zweiten Hälfte 2004 soll das Jubiläum begangen werden. "Das schaffen wir bis dahin", ist Ortsbürgermeister Willi Insel überzeugt. Am Donnerstagabend entschied der Ortsbeirat einhellig, eine Haussammlung anzugehen.

Von außen soll die Uhr möglichst ihrer Vorgängerin ähneln und zum Turm passen. Das Innenleben werde ganz und gar nicht historisch. "Da kommt eine Funkuhr hinein", sagt Insel. "Das ist einfacher und billiger." Rücksicht auf geschichtlich wertvolle Technik brauche ohnehin niemand zu nehmen. "Das Uhrwerk ist irgendwann verschwunden", versichert Pfarrer Anselm Babin. Wann die Zeit an der Grebser Kirche stehenblieb und die Uhr samt Zeiger demontiert wurde, "wissen wir nicht", sagt die Kirchenälteste Karla Abram. "Ich kann mich nicht an die Uhr erinnern", ergänzt Insel. Der 61-Jährige ist in Grebs geboren, getauft und konfirmiert worden.

Für die Technik gebe es die vage Kostenschätzung in Höhe von 2500 Euro. Seit gestern weiß Insel, dass ihm ein alter Grebser bei der Montage kostenlos zur Seite stehen werde. Dieter Küst, dessen Sohn Inhaber der gleichnamigen Elektrofirma in Brandenburg ist, habe sich bereit erklärt, die von außen nötigen Montagearbeiten zu übernehmen und auch die entsprechende Hub-Technik zu stellen. Was bezahlt werden muss, soll komplett über Spenden geregelt werden. Die ersten gut 50 Euro sind bereits zusammen. Die Sammeldose im Dreiseitenhof füllt sich allmählich. Eine Spendendose in Form einer kleinen Kirche stehe im Laden der Bäckerei Schmidt, berichtet Harry Grunert, Vorsitzender des Dorf- und Heimatvereins. Das große Geld soll jedoch die Haussammlung vom 1. bis zum 23. Juni bringen.

Bis zum Jubiläum wolle die Kirchengemeinde das Innere des Gotteshauses herausputzen. Unter den Farbanstrichen ruhten schöne Wandbemalungen, sagt Babin.

Das gemeinsame Uhrenprojekt ist vielleicht nur das Vorspiel für etwas größeres. Seit dem Ersten Weltkrieg fehlt der Kirche die zweite Glocke. Sie ist für Kriegszwecke eingeschmolzen worden. "Hier Ersatz zu schaffen, wird aufwendiger als bei der Uhr", ist Willi Insel überzeugt. ei

 

HEIKO HESSE

Miteinander

Die Wuster Kirche ist imposanter, die Trechwitzer bedeutender und die Reckahner schöner. Das ist den Grebsern egal und kann es auch. Ihnen liegt das bald 100 Jahre alte Gotteshaus in ihrem Ort am Herzen. Dass der Anteil überzeugter Christen in Grebs genauso niedrig ist wie überall auf den Dörfern der Region, spielt dabei keine Rolle. Die Kirche gehört zum Dorf. Sie ist Teil der Kultur, ein Stück der Grebser Identität. Im Ortsbeirat gab es am Donnerstag keine Debatte über die Spendenaktion zu Gunsten der Kirchturmuhr - als wäre es das Selbstverständlichste der Welt, dass eine Kirche eine Uhr braucht und dass der gesamte Ort seinen Beitrag leistet, das Chronometer zu beschaffen. Pfarrer Anselm Babin hegt den Wunsch, das Verhältnis zwischen Kirchengemeinde und den übrigen Bewohnern auf eine andere Ebene zu stellen. Kennzeichnete die Beziehung bislang eher ein Nebeneinander, gibt es nun berechtigte Hoffnung, dass sie sich zu einem Miteinander entwickelt. Die jetzt angeschobene Initiative zu Gunsten der Uhr, der das Projekt "Zweite Glocke" folgen soll, ist eine gute Basis für ein gepflegtes Miteinander. Damit die Kirche auch als Institution einen festen Platz im Bewusstsein aller Grebser bekommt.

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