EIN TEIL DER ST.-SEBASTIAN-KIRCHE SACKT WEITER AB / 90 000 EURO FEHLEN FÜR FUNDAMENTSANIERUNG DES BAUDENKMALS

Baruth befürchtet Einsturz der Türme

HARTMUT F. RECK

BARUTH (MARK) Das imposante Kirchengebäude St. Sebastian in Baruth steht weiterhin auf unsicheren Füßen. 90 000 Euro fehlen, um die bereits begonnenen Sanierungsmaßnahmen zur Stabilisierung des auf einer Tonlinse errichteten Baudenkmals zu vollenden.

Bisher wurde das Projekt von dem Bundesprogramm "Dach und Fach" gefördert und das Land gab einen entsprechenden Anteil dazu. Auf diese Art und Weise war die Stabilisierung des Kirchenfundaments eigentlich durchfinanziert. Doch seit diesem Jahr gibt es das Förderprogramm "Dach und Fach" nicht mehr. Es wurde kurzerhand aufgekündigt - trotz längerfristiger Fördermittelzusagen. Somit bleibt nicht nur das versprochene Geld vom Bund aus, sondern auch der Anteil des Landes.

Und da das Fundament des Gotteshauses nunmehr nur zu einem Teil, etwa 70 Prozent, mit Beton unterfangen worden ist, ist sie kurioserweise noch mehr einsturzgefährdet als vor Beginn der Stabilisierungsmaßnahmen. Denn genau an der Schnittstelle zwischen gesichertem (Kirchenschiff) und noch ungesichertem Fundament (Kirchentürme) entstehen Risse, weil eben nur noch ein Teil der Kirche weiter absackt.

In ihrer Not wandte sich nun die "Hausherrin" der Kirche, Zossens Superintendentin Katharina Furian sowohl an das Kulturministerium des Landes wie an den Landkreis Teltow-Fläming. Das Kulturministerium ließ sie immerhin wissen, dass man sich um eine Ausgleichsförderung für die dringendsten Projekte bemühe und dass die Baruther Kirche zu den vordringlichen Projekten gehöre, die dafür vorgeschlagen worden seien. Mit einer Entscheidung sei bis Ende Mai zu rechnen. Ein kleiner Hoffnungsschimmer immerhin.

Enttäuschung jedoch kurz vor Christi Himmelfahrt: Der Landkreis teilte nicht zuletzt wegen seiner eigenen "außerordentlichen Haushaltsprobleme" mit, dass keine Möglichkeit zur Soforthilfe sehe. Gleichwohl wird in dem Schreiben eingeräumt, dass es sich bei der Baruther St.-Sebastian-Kirche um "eins der wichtigsten Baudenkmäler des Kreises" handle. Deshalb wird dem Evangelischen Kirchenkreis Zossen geraten, gemeinsam mit der Stadt Baruth einen Antrag auf eine Investitionspauschale zu stellen, um gegebenenfalls noch die Chance zu bekommen, nicht in Anspruch genommene Mittel aus den Investitionszuschüssen aus dem Gemeindefinanzierungsgesetz (GFG) ausgereicht zu bekommen.

Dies scheint die letzte Möglichkeit zu sein, noch Fördermittel über den Kreis zu bekommen. Wie bereits bei der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Regionalentwicklung und Bauplanung befunden wurde, war es schon zu spät, dafür reguläre GFG-Mittel zu beantragen.

Außerdem hätte die Kirche gar keinen Antrag stellen können, sondern nur die Stadt Baruth, der andererseits aber wiederum die Kirche nicht gehört. Tendenziell stieß das Ansinnen der Kirche im Ausschuss mehrheitlich auf Ablehnung. "Es gibt noch sehr viele andere Sachen, die dringlich sind", meinte zum Beispiel Hartmut Rex (PDS). Der Raum Baruth sei in den vergangenen Jahren bei der Zuteilung von GFG-Mitteln schon gut weggekommen, meinte er.

Dem entgegnete die Leiterin der Unteren Denkmalschutzbehörde, Rita Mohr de Pérez, dass die Baruther Kirche ziemlich weit oben auf der Prioritätenliste des Denkmalschutzes stehe. "Woanders kann man sich mit Notdürftigkeiten behelfen", sagte die promovierte Architektin, "bei einem Fundament ist das etwas anderes." Für sie sei es eine "untragbare Vorstellung, wenn im Landkreis eine doppeltürmige Kirche wegbricht".

   Zur Artikelübersicht