KIRCHENSANIERUNG IN BÖTZOW DRINGEND NÖTIG / ZUSCHUSS FÜR EICHSTÄDT

Der Turm verliert seine Ziegel

ANDREA KATHERT

 Kirche Bötzow

BÖTZOW/EICHSTÄDT Genau 24 Schieferziegel hat Pfarrer Andreas Voigt im letzten Winter gezählt. Sie waren vom Bötzower Kirchturm gefallen. Langsam aber sicher verliert das Dach seine Eindeckung. "Eigentlich ist schon Gefahr im Verzug", sagt Andreas Voigt. Besonders die Leute auf dem kleinen Verbindungsweg zwischen Dorfaue und Gartenstraße könnten mal einen Ziegel abbekommen. Dass dort besonders die Schulkinder unterwegs sind, bereitet dem Pfarrer schon Bauchschmerzen.

Der Grund für die herabfallende Eindeckung ist ganz klar. Die Nägel, die die Schiefer auf dem Dachstuhl halten sollen, sind durchgerostet. Bei seinen Nachforschungen hat Pfarrer Voigt herausbekommen, dass der Kirchturm in den 60er-Jahren das letzte Mal neu gedeckt wurde. Und Kupfernägel gab's damals in der DDR nicht. Selbst aus dem Westen hätte sich die Kirchengemeinde die Nägel nur äußerst schwierig besorgen können. Nur mit Sondergenehmigungen gelang so etwas. "Das war alles ganz kompliziert", winkt der Pfarrer ab. Wie dem auch sei, die verzinkten Nägel, die schließlich verwendet wurden, haben eben kein ewiges Leben.

Aus Sicht des Pfarrers müsste eigentlich sofort Abhilfe geschaffen werden. Doch so einfach ist das nicht mit den Finanzen. Von der eigenen Kirche bekommt die Bötzower Gemeinde jedenfalls nichts. Die Kassen sind leer. Dabei kostet die Sanierung des Turms mindestens 45 000 Euro. Da ist das Gerüst noch gar nicht mitgerechnet. Es sieht ganz danach aus, als müsste die Kirchengemeinde einen Kredit aufnehmen. Wenn die Bötzower Glück haben, bekommen sie Hilfe in Form eines zinslosen Darlehens von anderen Kirchengemeinden.

Auch bei der Gemeinde Oberkrämer hat Voigt einen Antrag gestellt. Der Sozialausschuss beschied seine Bitte um 15 000 Euro bereits positiv. Allerdings kann der Zuschuss erst im nächsten Jahr kommen. "Wir würden einen Luftsprung machen, wenn wir dieses Geld bekommen", ist der Pfarrer ganz ehrlich.

Obwohl eigentlich in diesem Jahr noch was passieren müsste, weiß niemand, wann die Sanierung beginnen könnte. Die Denkmalpflege hat bereits Auflagen erteilt. "Das kann sich wieder hinziehen", spricht der Pfarrer aus Erfahrung. Der Bötzower ist sein fünfter Kirchturm, der saniert wird. Der Dachecker hat sich auch schon klar geäußert. Nur bis Oktober würde er noch aufs Dach gehen. Danach spielt sich nichts mehr ab. Die zweite Hürde ist das evangelische Konsistorium. Ohne deren Baugenehmigung will Voigt keinen Stein anrühren. Die Chancen auf eine Sanierung in diesem Jahr stehen also nicht so gut. Sobald der Pfarrer grünes Licht hat, wird er sich auch mit einem Spendenbrief an die Bötzower wenden und um ihre Hilfe bitten.

Ein Stück weiter ist da schon Voigts Amtsbruder in Eichstädt. Die Kirchturmsanierung ist weit vorangeschritten. Pfarrer Thomas Köhler kann wahrscheinlich noch in diesem Jahr mit 15 000 Euro von der Gemeinde rechnen. Und wenn es nach dem Sozialausschuss geht, 2005 noch mal mit der gleichen Summe. Ursprünglich hatte Pfarrer Köhler noch mit Geld aus dem Förderprogramm des Bundes "Dach und Fach" gerechnet. Doch im November kam die Absage. Mit dem Zuschuss der Gemeinde jedoch könnte die Sanierung des Eichstädter Kirchturms endlich abgeschlossen werden.

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