ORGEL WIRD BALD WIEDER ERKLINGEN

Halberstädter Firma begann gestern in Caputh mit Einbau der Pfeifen

CAPUTH "Pünktlich wie die Maurer" kamen gestern Mittag die Orgelbauer aus Halberstadt in den Schwielowseer Ortsteil. Sie werden bis Mitte Mai das völlig restaurierte und zum großen Teil erneuerte Orgelwerk in der Caputher Stüler-Kirche einbauen. Eine große Lkw-Ladung voller Teile brachten sie mit. "Das ist noch nicht alles", sagte Michael Treblin, der die Montage leitet. "Es kommt etwa noch einmal soviel."

Die Dorfkirche wird nun auf der Empore zur Werkstatt. 1171 Pfeifen baut Treblin mit Johannes Hüfken, Sohn des Firmenbesitzers Reinhard Hüfken, und Christian Hellbach ein. Ein Teil der aus Zinn und Zink gefertigten Pfeifen kann nach gründlicher Überholung wieder verwendet werden. Die Pfeifen aus Eichen- oder Kiefernholz, die meist tiefere Töne erklingen lassen, sind vollständig neu. Von zwei Manualen und mehr als 18 Register, die für abwechslungsreiche Klangfarben sorgen, wird künftig die Orgel gespielt. Damit ist sie ein bisschen umfangreicher als das 1928 von der Potsdamer Firma Schuke eingebaute Instrument.

Es war eine schwere Zeit des Hoffens und Harrens, ob denn jemals die Caputher Kirchenorgel wieder erklingen würde. Raimar von Zadow engagierte sich 2002 für die Gründung des Initiativkreises Orgelrestaurierung. Der damalige Bürgermeister Friedrich-Karl Grütte gab schließlich den Startschuss, in dem er mit den Gemeindevertretern für einen Finanzanschub aus dem Haushalt sorgte. Verschiedene Stiftungen und staatliche Institutionen, allein 55 000 Euro von Einzelspendern, von Pfeifenpaten und aus Benefizkonzerten, ließen das Konto anwachsen. Aber längst waren die etwa 180 000 Euro nicht zusammen. Doch konnten zunächst die vorbereitenden Bauabschnitte realisiert werden.

Dazu gehörte auch die Erneuerung des Orgelprospektes. Als der polnische Restaurator Marc Malinowski seine Arbeit aufnahm, fand er unter der dunklen Farbe eine hellere. "Das muss die Originalfarbe gewesen sein", machte er den Gemeindekirchenrat aufmerksam. Während einer Renovierung ist die dunklere Farbe aufgetragen worden. "Das deckt sich mit der Farbe des Kircheninneren", meint der Kirchenälteste Burkhart Franck, "denn die erhielt ja bei der großen Instandsetzung ihren helleren Originalanstrich wieder. Als die Denkmalpflege jetzt auch der Originalfarbgebung des Orgelprospektes zustimmte, dachten wir, die Caputher wollen von ihrer dunklen Farbe nicht abgehen. Doch wir haben uns getäuscht. Jeder Befragte war ebenfalls für den Originalanstrich."

Dass das Orgelwerk jetzt eingebaut werden kann, ist in erster Linie den Mitgliedern des Initiativkreises zu verdanken. "Wir konnten den Auftrag erst auslösen, nachdem sicher war, dass sie mit persönlichen zinslosen Darlehen für mehr als 30 000 Euro für ein Jahr bürgen werden. Das Geld fehlt noch, damit die 180 000 Euro Gesamtkosten bezahlt werden können", so Franck.

Nun soll die Kirchenorgel am 29. Mai in Anwesenheit des Schirmherrn der Restaurierung, Manfred Stolpe, eingeweiht werden. Danach sind in der 400 Zuhörer fassenden Kirche Benefizkonzerte geplant, womit Geld eingenommen werden könnte. Auch alte Prospektpfeifen können als "Souvenir" erworben werden, kündigt Franck an.

F. W.

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