Denkmalpfleger entdecken Dretzen

Schul- und Bethaus unter Schutz gestellt

FRANK BÜRSTENBINDER

DRETZEN Das Land hat das 1908 errichtete Schul- und Bethaus unter Denkmalschutz gestellt. Für die bauliche Kombination von Schule und Kirche gebe es im Land Brandenburg nur noch wenige Beispiele. Außerdem nehme das Ensemble eine exponierte Stellung im Dorfgefüge von Dretzen ein, begründen die Denkmalpfleger die Unterschutzstellung.

Für Sylke Schmelzer vom Gemeindekirchenrat Buckau/Dretzen ist die Aufnahme in die Denkmalschutzliste ein erster wichtiger Schritt zur Rettung des Gebäudes. Wie berichtet, droht im Kirchenteil Einsturzgefahr. Der Hausschwamm breitet sich aus, die Statik ist aus den Fugen geraten. Eine Sanierung würde mindestens eine sechsstellige Summe verschlingen. Geld, das derzeit weder die Kirche noch die politische Gemeinde als Besitzerin des Schulteiles aufbringen können.

An der misslichen Lage wird so schnell auch nichts die Erhebung des Baus als Denkmal ändern. Im Kirchenkreis Elbe-Fläming gibt es 146 Kirchen. Bei Superintendent Wolfgang Schmidt in Burg sind für 2006 Sanierungsanträge eingegangen, deren Wert dreimal so hoch ist, wie das zu verteilende Geld. Am Mittwoch erst hat der Kreiskirchenrat auch über Dretzen beraten. "Ich habe Hochachtung vor dem Engagement von Frau Schmelzer und anderen Dretzenern", sagte Superintendent Schmidt gestern dem Landkurier. Doch der Kreiskirchenrat will Fakten sehen. Unter anderem soll die Kirchengemeinde Buckau/Dretzen, die dem Pfarrspiel Ziesar angehört, erklären, wie sie mit insgesamt 101 aktiven Christen zwei Kirchen finanzieren und nutzen will. Erst nach einer Zuarbeit werde man Entscheidungen fällen, so Schmidt.

Bleibt der Kirchenbau weiter seinem Schicksal überlassen, droht dem sich unmittelbar anschließenden Schulhaus weiterer Schaden. Die Gemeinde Buckautal ist bereit in diesem Jahr 7000 Euro auszugeben, um die Stützstelle zwischen kommunalem und kirchlichem Teil zu reparieren. "Leider wacht die Kirche jetzt erst auf", bedauert Gemeindebürgermeister Hans-Christian Krüger. Weitere Investitionen kann sich der Bürgermeister nur vorstellen, wenn auch die Kirche Gelder zur Verfügung stellt. Wie berichtet, wird in Dretzen intensiv darüber nachgedacht, den gemeindeeigenen Teil des Gebäudeensembles verstärkt für die Allgemeinheit zu nutzen.

Anlass für den Bau des Schul- und Bethauses unter Wilhelm II. war vermutlich die Aufgabe benachbarter Dörfer im Zuge der Anlegung des Truppenübungsplatzes Altengrabow im Jahr 1895.

Märkische Allgemeine vom 10. März 2006

s. auch: Märkische Allgemeine vom 22. Oktober 2005: In Dretzen steht ein kaiserliches Schul- und Bethaus

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