KRIEGT DIE KIRCHE EINE RINNE ?

Gemeinde und Denkmalschützer treffen sich zum klärenden Gespräch

LIEBENWALDE Dachrinne oder nicht Dachrinne? Das ist im Falle der Liebenwalder Kirche schon seit längerem die Streitfrage. Da ist etwas faul in den Wänden des Gotteshauses - nämlich Mauerwerk und Putz, die durch Regenwasser geschädigt werden.

Noch einmal genauer und ohne Shakespeare: Die Kirche Liebenwalde ist dringend sanierungsbedürftig. Deshalb hatte der Gemeinderat im Oktober 2004 einen Antrag auf denkmalrechtliche Erlaubnis bei der Unteren Denkmalschutzbehörde in Oranienburg gestellt, der die Erneuerung des Gebäudes vorsah.

Konkret benannte der Antrag die Sanierung von Dach und Dachstuhl, die Ausbesserung der feuchten Wände und das Anbringen einer Regenrinne. Anfang Januar gab die Untere Denkmalschutzbehörde die Erlaubnis zur Sanierung, genehmigte jedoch ausdrücklich die Regenrinne nicht. Sehr zum Unmut des Liebenwalder Pfarrers, Volkmar Gartenschläger, und seiner Gemeinde.

Bei einem klärenden Gespräch am kommenden Donnerstag in der Liebenwalder Kirche sollen jetzt noch einmal alle Beteiligten im Regenrinnen-Streit ihre Positionen darlegen. Neben dem Gemeindekirchenrat werden die Untere Denkmalschutzbehörde und das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege - aufgrund dessen fachlicher Beurteilung die Regenrinne untersagt wurde - zugegen sein.

Zusätzliche Teilnehmer des Treffens sind das Bauamt Liebenwalde, das Konsistorium der Evangelischen Landeskirche und die Berliner Stadtentwicklung Südwest (STEG), die die Stadtkernsanierung in Liebenwalde betreut.

Volkmar Gartenschläger erhofft sich aus dem Gespräch, dass "der Gemeinde mehr fachliche Kompetenz zugetraut wird und wir die Kirche nach unseren Vorstellungen instand setzen dürfen". Der Pfarrer führt als Argument einen Bauzustandsbericht ins Feld, den Klaus Hintze, Gemeindemitglied und Bauingenieur, bereits 2002 verfasst hat. Der Bericht benennt die fehlende Regenrinne der Kirche als einen wichtigen Grund für die zunehmende Feuchtigkeit in Wänden und Dachstuhl. So dringe Regenwasser in den Fuß des Dachstuhls und als Spritzwasser in den Sockel des Gebäudes ein.

Dieser Auffassung wollen sich die Denkmalschützer nicht anschließen. Die Dringlichkeit einer Regenrinne sei nicht gegeben, lässt die Untere Denkmalschutzbehörde verlauten. Zudem sei die Kirche - die zwischen 1833 und 1835 nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel entstand - ursprünglich ohne Rinne errichtet worden.

Eigentlich dürfte es im Sinne aller Beteiligten sein, dass am Donnerstag der Streit beigelegt wird. Denn die Kirche versprühe "italienisches Flair im märkischen Ackerbürgerstädtchen", so Gartenschläger. Damit sei sie unbedingt erhaltenswert - als Touristenmagnet.

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